Ekkehart Rotter

Hisbollah in Hainchen

Verfügte Ordnung in offenem Raum: Nahöstliche Transferfermente zur karamellitischen Remonastizierung der Wetterau gemäß der ‘Descriptio Wettereibae’ des Gernhardt von Monte Sion (Münzenberg) um 1295

Verlag:

Universitätsverlag Sommer

Erschienen (in):

Historischer Verein Hainchen, Jahrbuch, Bd. 1 [= Festschrift für Bernd Schneidmüller zum 60. Geburtstag] Heidelbeere 2014

Umfang:

Seite 149-178

ISBN:

978-3-1954-2201

von

Beinhart Rotter


[Korrigierte und ergänzte Fassung  -  nur für den reifen Leser !
Fußnoten nach * am Ende des Textes]

 


iocunditas sine ioculatore
ut flatus gravis sine odore
(Alanus a Latrinis, De flatu naturae contra haereticos II,183)


Wer gedächte bei der bedächtigen Beschäftigung*1 mit der Wetterau nicht des Erasmus Albernus*2, der dieser Landschaft so nachdrücklich huldigte und den schollenfesten Landmann gemahnte, die Gabel dem Heu, das Beet dem Mist, den Krug dem Bier und die Frau der Ehe*3 zu überlassen, “heisa und hopsasa”*4 zu exklamieren, Geist und Körper zu absolutieren und über die scheinbar horizontlose Weite der Kornkammer Hessens hinauszufliegen  -  um gedemütigt durch die Schroffheiten der Fremde und geläutert durch heidnischen Frevel und schlechtes Essen, das des Schweins nicht achtet, sowie gepeinigt von Türkenmusik reuig und bußfertig sich müden Gangs zur heimischen Herdstelle zurückschleppt und nie mehr absagt der Losung: sola prata, sola patria, sola Wettereiba. In allen Epochen zeigt sich in der Wetterau dieser Mensch mit dem transfugitiven Drang zu den porösen, abgesenkten Horizonten und dem alsbaldigen stabilen Reversionsverlangen*5. Die Kelten stiegen unter Zurücklassung enormer Haufen herab vom Glauberg und kamen wieder mit Eisenpflügen und Unterhosen nach Düdelsheim, Hüttengesäß und Neuwiedermuß. Die Römer ließen ihre Venus- und Mithras-Altäre stehen und liegen, zogen in die Frühveteranenheime ab*6 und kehrten zurück nach Büdingen und Limeshain mit Speise-Eis und Badehosen.

Die Karamelliten der Jokulantischen Observanz in der Wetterau
Die Reichsministerialen von Runkel, Bürgel und Würgel begaben sich auf Kreuzfahrten und befruchteten nach der Heimkehr die Wetterau mit Elementen nahöstlicher Organisationsformen des Landesausbaus*7, des Heerwesens und des Zuckerwerks, deren sprachlicher Niederschlag bis heute am Gaumen klebt. Sie stürzten sich dabei auf die Brüder des Karamellitenordens der Jokulantischen Observanz vom Berg Karamell*8, insbesondere nach der Unterdrückung der Karamelliten im Heiligen Land ab 1238 und ihrer Verschreibungspflichtänderung 1247/53, die ihnen die cura animarum mittels karamellisierter Jökelei*9 gestattete. Sie waren unter den Muslimen angesichts deren freudlosen Herkommens aus nicht karamellisierten, sondern übel kamelisierten Heimatregionen selbst aller Lebensfreude beraubt worden und waren darauf verfallen, ihre verzagten Predigten zu versüßen, um allen ihnen anvertrauten Geschöpfen wie sich selbst wieder Zucker zu geben. Doch mitten hinein in diese beglückende Zeit, gewissermaßen in die fröhlich-unbeschwerten Herzen der Brüder der Heiligen Hilaritas, Jocunditas und Caries, traf der vergiftete Pfeil derjenigen wenigen Sarazenen, die ihrem Propheten in den Rücken fielen und, wie der Chronist sagt, “das Gesetz des Korans für ihre bösen Ziele missbrauchten”*10. Sie stellten den Brüdern vom Berg Karamell nach, zogen sie an den Bärten, warfen sie von den Eseln, erhoben Parkgebühren, verboten alles öffentliche Jökeln als unzulässiges Missionieren, erlaubten den Besitz von Karamell nur noch zum Eigenverbrauch und eroberten als Hisbu’llah, d. h. ‘Partei Allahs’, 1291 die Stadt Akkon und das ganze von Christen geliebte Land. So schnürten auch die letzten noch verbliebenen Karamelliten, unter ihnen Gernhardt von Monte Sion, ihre Bibelbündel und sagten dem Heiligen Land Lebewohl, freilich nicht ohne sich klandestin eines muslimischen Gewährsmannes für eine reibungslose Karamellverschiebung an die abendländischen Ordenshäuser versichert zu haben. Unter Einsatz der entsprechenden Mittel war der als der ‘Alte vom Berg’ bekannte libanesische Grossist, der seinen Wohnsitz im Raum Damaskus, Aleppo und Antiochia ständig wechselte, schnell zu gewinnen gewesen; dieser wiederum gedachte ohnehin seinen Haschischvertrieb um die Karamellsparte zu erweitern, zumal die von seinen Assassinen (‘Haschischisten’)*11 im muslimischen Ausland allerorten aufgebauten Verteilungsstationen erfolgreich operierten. Dass sich ihm dazu nun die Karamelliten im Abendland anboten, kam ihm wie von Allah gerufen*12.
    Dank der Initiative der Reichsministerialen von Runkel, Bürgel und Würgel gelangten viele Karamelliten von der Jokulantischen Observanz in die Wetterau und füllten den Landstrich mit Leben, Klöstern, Gänseschmalz und Kernsätzen. Mit Hilfe des nach wie vor am Berg Karamell im Tagebau gebrochenen und via Venedig eingeschifften gleichnamigen Stoffes konnten sie eine offensive Jökelei betreiben und den Wetterauer Landmann seiner traurigen Triebe auf Land- und Straßenstrich entheben. Sie erfanden die Wetterau geradezu neu. Sie investierten erfolgreich in die humanitäre Massenversüßung und in die bis heute nachwirkende landbaurentable, bauerngerechte Neubeschweinung*13.
    Es bewies sich, dass Raumgestaltung vom ganzheitlichen Durchdringungswollen und Dichtungsvermögen nicht abzutrennen war*14, ungeachtet der im 13. Jahrhundert verdichteten, hier nicht weiter zu verfolgenden Vermutung, dass es zwar Frauen geben solle, die klüger als Männer seien, aber davon die Küche eben auch nicht sauberer werde*15. Denn nach einem ersten Jokulationsversuch im 12. Jahrhundert traten, nachdem ein Kamelimport nicht realisiert werden konnte*16, solche Überlegungen völlig hinter die männerbetriebene Zucht von Rennschweinen (porci currentes) zurück, und es bedurfte zur Revitalisierung der Wetterau insgesamt einer digressiven Befreuung durch Kompetenz in Gestalt der Karamelliten und ihrer Förderer von Runkel, Bürgel und Würgel. Diese wiederum wurden in der Phase bis 1255 von den Herren von Münzenberg unterstützt, die sich bis dahin durch Königsnähe und Jerusalemtreue in schlagender Verbindung ausgezeichnet hatten. Doch in besagtem Jahr versiegte des letzten Münzenbergers Lendenkraft; Ulrich ging wenig spektakulär mit Tod ab, und um die Münzenberger war es geschehen*17. Allein aus sehr schräger seitlicher Linie existierte noch ein im geistlichen Stand gestrandeter Gernhardt von Monte Sion (Gernhardtus de Monte Sion, dictus Robertus Laber, frater Ordinis fratrum caramellitum ioculantium)*18. Er hat uns die Remonastizierung der Wetterau durch die Brüder vom Karamell nach 1291 vermittels seiner etymologisch-geographischen ‘Descriptio lunae dimidiae terribilis in Wettereiba’, kurz ‘Descriptio Wettereibae’, in bester spätscholastischer Ordnung*19 bewahrt. Erasmus Albernus deutete dies vermutend bereits schonungslos an, ohne freilich das Zeitraumgefüge der Quellengestaltung bis zum Grund ausgelotet und die Gestaltungsquelle des Autors trockengelegt zu haben.

Gernhardt von Monte Sion (Münzenberg) und das sog. ‘zweite Buch’
Gernhardt hatte im Heiligen Land die Techniken einer planmäßig betriebenen monastischen Landesbejökelung nach Windhosensektoren*20 kennengelernt und womöglich am eigenen Leib erprobt. Ob er nach seiner Rückkehr selbst tatkräftig an der Karamellisierung der völlig entjökelten Wetterau mitwirkte, bleibt strittig und dem mürben Quellenboden der Forscherhefe überlassen. Denn Gernhardt tritt völlig hinter sein Werk zurück, steht gewissermaßen selber hinter sich, und verrät über das hinaus, was sich zwischen den Zehen herauslesen lässt, kaum etwas über seine persönlichen Vorlieben. Ob Hugo von Trimberg ihn um 1300 zeitgenössisch im Schweifreimprolog zu seinem ‘Penner’ kritisch nachzuäffen versuchte*21, lässt sich derzeit nicht beantworten. Eine weitere Quelle, die ihn zweifelsfreie nennte, ist nicht bekannt*22; ob er mit jenem von Stephan Furtweiner im Lütticher Staatsarchiv in einem Rechnungsbuch der zisterziensischen Karamellmanufaktur entdeckten Gernh. de M. S. Doctor ioc. identisch ist, muss ebenfalls offenbleiben*23. In der von Duro G. Nitale Ende des 20. Jahrhunderts erstellten Liste deutscher Karamelliten der Iokulantischen Observanz sucht man ihn überhaupt noch vergebens*24. Mies van der Meuse hingegen schießt nun deutlich über das Ziel hinaus*25, indem er Gernhardt zum Dekan (?) und Verwalter des Nonnenklosters Engelthal (in der Wetterau, 2 Kilometer westlich von Altenstadt, 25 Kilometer südöstlich von Münzenberg) erklärt*26, irregeleitet durch die vor Ort fälschlich demselben Gernhardt zugeschriebene Autorschaft der schmalen, nur in einer einzigen Inkunabel erhaltenen Schrift, die auf dem Vorderdeckel  - und mehr als eine Schwarzweißkopie nach einer Abschrift desselben aus dem 17. Jahrhundert stand Mies van der Meuse eingestandenermaßen nicht zur Verfügung -  den Titel trägt: Des Gehrnherd vom Montzion Vfficium wie als Deckhahn und Vogt-Ey unseres Mariae Pahradeys vom Engelthal klärlige Schrifft Gerten und Feldt und allerhandt zu verhupffen.*27
    Richtig und über alle Zweifel erhaben ist, dass Gernhardt tatsächlich nach der Heimkehr aus dem Heiligen Land zunächst seine ‘Descriptio lunae dimidiae fertilis imprimis Terrae sanctae’, kurz ‘Descriptio Terrae sanctae’, im Kloster Engelthal, einer Gründung des Rüpel von Runkel aus ursprünglich den Münzenbergern verpflichtetem Lehnsmannengeschlecht, niederschrieb: eine einzigartige, bis Ende des 16. Jahrhunderts immer wieder kopierte und schließlich gedruckte geographische Darstellung des Nahen Ostens, die bis in die Neuzeit zuverlässigste ihrer Art, zu der er sich nach zehnjährigem Zuckerschlecken im Heiligen Land befähigt gesehen hatte. Ediert wurde sie von Johann Carl Moritz Raulent*28. Und damit begann alle Verwirrung um Gernhardt und seine Autorschaften. Denn Raulent konnte sich zur Edition der ‘Descriptio Terrae sanctae’ lediglich auf drei Handschriften (von mittlerweile ca. 60 bekannten) stützen. Er kannte weder die wohl aus Magdeburg stammende Brüsseler noch die im 2. Weltkrieg nach London verschleppte Fuldaer Handschrift und somit auch nicht das einzig in ihnen überlieferte angehängte zweite Werk Gernhardts, die oben erwähnte ‘Descriptio Wettereibae’*29. Raulent wusste aus Gernhardts Hauptwerk, der ‘Descriptio Terrae sanctae’, nur, dass derselbe auch ein zweites Werk verfasst haben musste; hatte dieser doch zur Exemplifizierung der Entfernung von Akkon nach Nazareth geschrieben, dass sie ihm mit ihren sieben Leugen so weit vorkomme wie die von Frankfurt nach Friedberg, die er öfter zurückgelegt habe, wie er in seinem “zweiten Buch über die Wetterau” darlegen werde*30. Als dieses zweite Buch aber sah Raulent irrigerweise eine von der Mystikerin Theresa von Altenstadt, der ersten Äbtissin des Klosters Engelthal (1265-1301), veranlasste, wenn nicht gar selbst verfassten Allegorese an, die lediglich Hauptlinien der Wegführungen aus Gernhardts ‘Descriptio Terrae sanctae’ adaptiert, ansonsten aber eine völlig frei gestaltete, um nicht zu sagen selbstverwirklichte Fälschung mit einer mönchsgeilen Nonne als nach Jerusalem pimpernder Protagonistin darstellt. Wohl wegen des delikaten Inhalts, zu dessen Studium Raulent sich im Sommer 1859 eigens nach Frankfurt am Main begeben hatte, ging er in der Einleitung seiner ‘Descriptio Terrae sanctae’-Edition nicht weiter darauf ein; er gab sich vielmehr schnell und eilfertig - vielleicht eher aus sittlicher Erschöpfung, als aus wissenschaftlicher Redlichkeit, ganz gewiss aber um nicht weiter darauf herumzureiten -  der Überzeugung hin, in dieser von Mariae lactantes und Monachi spermantes wimmelnden Obszönität das zweite Buch Gernhardts sichergestellt zu haben, und übergab sich unweit der Leonhardkirche in den Main*31.
    Auf Seite iv der Einleitung versteckte er in Anm. 11 den Titel der Pseudo-Gernhardt-Schrift, weil er meinte, dass er durch seine Nichtssagenheit in geradezu verräterischer Weise den eigentlichen Gehalt der Schrift verbergen sollte, und gab ihn unter Beibehaltung des vorgefundenen (durch Schrägstrich kenntlich gemachten) Zeilenumbruchs so wieder: Gernhardt de Mench / in libro ii virtutes generaliter / patet quasi dono. Und übersetzte recht frei, dabei das intransitive patere in ein transitives verwandelnd: “Gernhardt von Menck macht uns im zweiten Buch allgemein Tugenden wie zum Geschenk.”
    Das muss natürlich erstaunen. Das hat mit dem von Mies van der Meuse beigebrachten Titel der ebenfalls als “zweites Buch” Gernhardts reklamierten Schrift (‘Des Gehrnhard vom Montzion Vfficium wie als Deckhahn und Vogt-Ey [...]’) ja nun gar nichts zu tun. Der Unterschied ist frappierend, um nicht zu sagen: es sieht ihn ein Blinder. Doch Mies van der Meuse beteuert in seiner Abhandlung, sich wegen “des Blattes” (d. h. der Schwarzweißkopie der Abschrift der Einbandaufschrift) persönlich nach Engelthal begeben und es sich im Kloster eigenhändig selber besorgt zu haben*32. Seitdem gilt es als verschollen, und er geht auch nicht ans Telefon. Der Text ist deshalb nicht zu verifizieren; denn an der einzigen Inkunabel, die Raulent eingesehen hatte, ist der Vorderdeckel mit der von van der Meuse zitierten Einbandaufschrift abgerissen, wie ich mich selbst bereits vor Jahren in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter sachkundiger Anleitung von Gerhard Powitz überzeugen konnte. Dieselbe Überprüfung ergab auch, dass der Innnentitel, den Raulent wiedergab, vorhanden ist. Da van der Meuse diesen nicht zur Kenntnis nahm (weil er wohl die Inkunabel selbst nicht kannte, sondern nur jene  - vermutlich erfundene -  Abschrift des 17. Jahrhunderts vom Außentitel eines nicht mehr vorhandenen Deckels), und umgekehrt Raulent von dem durch van der Meuse aus dem Kloster Engelthal beigebrachten Titel keine Kenntnis hatte, müssten wir diese Spur nicht weiter verfolgen, wenn der Satz dieses nachweislich erhaltenen Innentitels nicht allerhand Verwirrung gestiftet hätte. Da seine falsche Lesung und Deutung inzwischen sogar eine gelehrte Fiktion ausgelöst hat, welche die Mediävistik am Schopf ergreift und ins Bad auszuschütten droht, sei die Gelegenheit zur endgültigen Klärung hier genutzt, um Schlimmerem vorzubeugen.
    2003 schlug Ingrid von Gausburg unter fideler Berufung auf lectio difficilior im Zuge der Transkription der Aufzeichnungen des Beichtvaters im Kloster Engelthal*33 eine völlig andere Lesung vor*34: Gernhartt de Meneh /  in Libano v virgines gentiliciter / prohibet quia do[minant]. Und sie übersetzte: “Gernhardt verunmöglicht auf Heidenart*35 fünf Jungfrauen von Mennah*36 im Libanon, weil sie beherrschend auftreten.”
    Nachdem von orientalistischer Seite Bedenken gegen die Ortsnamensidentifizierung Meneh < Mennah angemeldet*37 und von Germanisten zwei Begriffe ganz sicher für das Deutsche reklamiert worden waren*38, nahm von Gausburg keine zwei Jahre später eine kleine Revision vor und transkribierte nun*39: Gernhardt der Mench /  in Libano v virgines gelich / patefacit quia do[rmiunt]. Ihre neue Übersetzung lautete: “Gernhardt der Mönch reißt im Libanon sogleich fünf Jungfrauen auf, während sie schlafen.” Von Gausburg erläuterte dazu, dass Gernhardt “der Mench = Mönch” (wie sie im Unterschied zu ihrer ersten Version de Meneh jetzt auflöste, um freilich  - bis auf gelich = jäh, sogleich -  den Rest weiterhin lateinisch zu lesen) sich in der Verkleidung eines Muslim (gentiliciter !)*40 an Mädchen vergangen habe, indem er sie schlafend überraschte (von Gausburg ergänzt das in der Tat für sie diffizile, weil nicht sinngemäß erfasste do nun zu dormiunt statt wie zuvor zu dominant). Hierbei, so von Gausburg, sei nicht nur der Geschlechterkampf alter papistischer Schule wirkmächtig ausgetragen, sondern daneben das Ansehen des Islam durch die Camouflage apologetisch beschädigt worden. Im eigentlichen Sinn seiner äußeren Verwandlung habe Gernhardt jedoch weit mehr noch an den Tag gelegt, dass er aus seinem ihm nicht angeborenen, sondern ihm doch nur zugewiesenen Rollenverständnis und -verhalten als Mönch habe ausbrechen und am liebsten gar nicht die Mönchskutte mit der Dschellaba des Muslim, sondern in körperlicher Anverwandlung der Mädchen mit deren Kleidchen vertauschen wollen*41. Zu dieser Schlussfolgerung war von Gausburg jedoch aufgrund eigenen Plagiatsversagens, wie angedeutet, gelangt und durch den Raulent’schen Hohlweg nur auf einen eigenen Holzweg geraten. Positiv anzumerken war daran nur, dass sie die Zusammensetzung des Titels aus lateinischen und deutschen Wörtern bemerkt hatte. Dies ist allerdings vorrenaissancezeitlich bis frühneuzeitlich häufig zu beobachten. Doch schlussendlich war die von von Gausburg nur an zwei Wörtern eingesetzte Erkenntniskorrektur noch nicht einmal “die halbe Wahrheit”*42.
    Um der ganzen Wahrheit endlich die Ehre zu geben, sei hier der Schrifttitel, mit dem  Raulent und von Gausburg (mittels der nachlässigen Abschrift ihres Assistenten Sören Schrader) operierten, geliefert und erstmals mit den nicht aufgelösten zeittypischen Abbreviaturen und ohne Markierungen möglicher Worttrennungen so wiedergegeben, wie er im Buche schwebt (wobei die dritte Zeile infolge schwitzigen Abgriffs kaum noch zu lesen ist):

G’n h’rtt d’ mēch
ī  lib‘º  ij vir$ gelich

♦♦♦♦ þ hc & do ♦♦♦♦

Korrekt transkribiert ergibt sie einen nicht perfekten, aber doch trefflichen jambischen Reimvers mit Initialhebung in der pseudo-gebildeten, grammatische Gesetze nicht immer beachtenden*43 deutsch-lateinischen Kunstsprache der Zeit: Gern harrt der menchin libido / ii viris gleich pro hic et do. Zu deutsch: “Gern harrt der Mönchin (=Nonne) Libido / zwei Männern zugleich für hier und do!”
    Was gemeint ist, ist ja klar. Damit aber ist zweifelsfrei ausgeräumt, dass es sich bei der solchermaßen betitelten Schrift um das ‘zweite Buch’ aus Gernhardts Feder handelt, und wir können uns, nachdem uns diese Richtigstellung hinsichtlich unserer eingangs aufgeworfenen Frage nach der von Gernhardt beschriebenen (und mitbetriebenen?) Remonastizierung der Wetterau keinen einzigen Schritt weitergebracht hat, derselben und seiner ‘Descriptio Wettereibae’, d. h. seinem wirklichen zweiten Buch, erneut zuwenden.

Gernhardt von Monte Sion = von Münzenberg
Nur in dieser einzig in Brüsseler und Londoner Handschrift erhaltenen ‘Descriptio Wettereibae’ finden wir den bis dato nicht nur nicht entdeckten, sondern ganz offensichtlich seltsamerweise noch nie gesuchten Schlüssel zu Gernhardts Herkunftsbezeichnung ‘vom Berg Sion (Zion)’. Seit 130 Jahren zerbricht man sich bezüglich dieses Beinamens, den er sich selbst beilegt, den Kopf nicht. “Ich, Gernhardt von Monte Sion, an den Meister der Brüder des Ordens der Karamelliten zu Münzenberg, einst Monte Sion”, schrieb er bei der Adressierung des Briefes, den er zusammen mit der ‘Descriptio Wettereibae’ an den Ordensmeister schickte; er ist in den beiden Abschriften dem Text als Dedicatio bzw. Prolog vorangestellt*44. Diese Herkunftsbezeichnung ist einzigartig. Zeitgenossen Gernhardts benannten sich noch ganz anständig nach hinlänglich bekannten Heimatorten: Thomas von Aquin nach Aquino (östlich von Rom), Fidentius von Padua nach der Stadt Padova (Norditalien), Wilhelm von Ockham nach einem gleichnamigen Dorf bei London, Dietrich von Freiberg nach dem gleichnamigen Städtchen südwestlich von Dresden, Matthäus der Pariser nach Paris (Frankreich), usw. Die Reihe lässt sich ad infinitum fortsetzen. Warum aber ‘Mons Sion’  (hebr. Har Zijon), der biblische Hausberg Jerusalems, der heilige Berg Gottes im Südwesten der Stadt Davids, von dem Gernhardt unmöglich herstammen konnte? Hatte er sich bei seinem Aufenthalt im Heiligen Land in eine Jerusalemitanerin, eine ‘Tochter Zion’, verliebt und ihren Namen angenommen?*45 Schon der Streckenvergleich zwischen Akkon-Nazareth und Frankfurt-Friedberg*46 sowie seine mehrfachen Bezüge zu Orten in der Wetterau hat uns seine Abkunft aus Wetterauer Geblüt offen- und aus Wetterauer Stall nahegelegt. Erblicken wir hier also eine ungebührliche Überheblichkeit, eine blasphemische Anmaßung Gernhardts? Eine bewusste Distanzierung von der Heimat? Einen Vertuschungsversuch? Spätere Autoren wie etwa Felix Fabri, die Gernhardt zitierten, entkleideten ihn tatsächlich des ungewöhnlichen und wohl in der Tat für unangemessen erachteten Beinamens und nannten ihn schlicht Gernhardtus*47, bestenfalls, unter Hinzunahme seines Cognomens, Robertus Gernhardtus*48.
    Nun muss man nicht erst die mediävistische Mentalitätsforschung befragen, um zu erfahren, dass ein solches Gepränge dem Wetterauer wesensfremd war und ist*49. Und man muss sich auch nicht lange darüber verwundern, dass Gernhardt den Berg Sion bzw. Zion in seiner ‘Descriptio Terrae Sanctae’, obwohl öfter angegangen und bestiegen, nie für sich namengebend in Anspruch nahm und wohl auch nie dort einkehrte. Es genügt vielmehr, den Blick bezüglich des ‘Mons Sion’ vom Heiligen Land abzuwenden und, worauf bislang niemand verfiel, auf heimische Gefilde und auf den von Gernhardt angeschriebenen Adressaten auszurichten. Heißt es von diesem doch, dass seine Ordenspostadresse in munzeberch olim monte zyon*50 lautete. Das Topynym ‘Mons Zion’ bzw. ‘Mons Sion’, das einst für die markante Erhebung am Rand der Wetterau samt Ansiedlung galt, hatte sich also im 13. Jahrhundert unter der Wirkmächtigkeit der ungeübten Wetterauer Zunge und nicht lateinisch formierter Intellektualität über den adretten Pleonasmus ‘Mons-Zion-Berg’ in einen ‘Montzionberg’ und bis in die Tage Gernhardts in einen Montzen- bzw. Munzeberch gewandelt, ein sprachlicher Vorgang, wie wir ihn heute etwa  in Begriffen wie "ABM-Maßnahmen" (also "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen-Maßnahmen" z. B. für Postdocs als Hot-Dogs-Verkäufer) täglich verwenden oder als "La-Ola-Welle" (also "Die Wellewelle") in der Commerzbank-Arena bei den Heimspielen von Eintracht Frankfurt liebgewonnen haben. Gernhardt selbst behielt in memorialer Selbstverpflichtung die Herkunft aus dem Geschlecht derer von Monte Zion / Sion bzw. vom Zionsberg traditional-onomastisch bei, wohingegen sich die einer - geschichtsgeschichtlich nicht von der Hand zu weisenden -  germanophilen und, sich daraus bedingenden contralateinischen Asynchronalität ergebene Mediävistik der 1850er bis 1920er Jahre dem offenkundig zu Gernhardts Zeiten vollzogenen, durch ihn auch quellenmäßig belegbaren Wechsel von ‘Mons Zion’ zu ‘Münzenberg’ modernistisch ergab und dadurch sich selbst, aber auch dem breiteren Fachpublikum in der Wetterau den geraden Zugang zu Gernhardt von Monte Sion = Münzenberg als einem der Ihren verstellte. Aber, muss man zur Verteidigung vorbringen: Der Wetterauer hatte es eben auch selber versäumt, dem alten Namen eine Zukunft zu geben und ihn, wie man das in anderen Landschaften durchaus hingebungsvoll bewerkstelligte, in den Alltagswortschatz zu integrieren. An der A 3 etwa gelang es vorbildlich, den ebenfalls biblischen ‘Mons Tabor’ als Montabaur beizubehalten und im unterfränkisch-thüringischen Grenzraum den neutestamentlichen ‘Hahnberg’*51 immerhin spätküchenromanisch als Mont du coq, barock eingedeutscht ‘Montekock’, weiterleben zu lassen, wenngleich man diesen entsprechend wohlmeinender Schlimmbesserung bei gleichzeitigem unstatthaftem Genuswechsel des namengebenden Geflügels nun meist als ‘Henneberg’ wiedergegeben findet*52.
    Was die Wandlung des ‘Mons Zion / Sion’ in ein(en) ‘Münzenberg’ angeht, steht im übrigen Gernhardt mit dem wetterauischen Fall nicht allein da. Keine 300 Kilometer nordöstlich ist mit dem Kloster Sionsberg in Quedlinburg ein zweites Beispiel in den Diskurs einzubringen. Dort erinnert der Ortsteil Münzenberg mit seinem Namen ebenfalls noch heute an den ‘Mons Sion / Zion’ und somit an das danach benannte, inzwischen abgehangene Kloster*53. Gemäß einer Urkunde des Jahres 1267 schenkte Jordan von Gersdorf die erledigten Pfarrgüter der Kirche im Dorf Gersdorf, heute ein Ortsteil von Quedlinburg, “dem Kloster Monzion-Berg (Mons Sion) bei Quedlinburg und erlaubte, daß die Kirche des Dorfes einging und nach besagtem Kloster transferiert ward”*54. Mit diesem Beispiel auf der Pfanne sind alle flurnamenkundlichen Ausdeutungen des wetterauischen Münzenberg als ‘Minze(n)berg’ obsolet*55, zumal Gernhardt uns doch selbst verraten hat, dass der ‘Mons Zion’ / ‘Zionsberg’, ‘Montzionsberg’ / ‘Münzenberg’ nicht als Minzetrockungsanlage, sondern als Karamellverarbeitungs- und vertriebszentrale zur Wetteraubejökelung diente: “Sie gehen über den ganzen Münzenberg hin bis zu unserer Klosterbesitzung der Karamellitenbrüder und zu den Karamell-Lagern, wo täglich zwanzig Brüder den Stoff kochen und aufbereiten.”*56 Und: “Am 11. November pflegt der Wagenstationsmeister von Frankfurt persönlich in Münzenberg vorbeizukommen und besten Stoff zu verlangen, und erhält stets von Gernhardt das Verlangte.”*57

Die Orientalisierung des Furchtbaren Halbmonds der Wetterau    
Die Anlieferung des in den seit der Antike berühmten, weltweit einzigartigen Zuckerstöcken am Berg Karamell bis Ende des 18. Jahrhunderts in großen Flözen anstehenden, heute völlig ausgebeuteten Süßstoffs, der beim Brechen ungenießbar bitter schmeckt und erst nach dem Kochen seine verführerische Süße entfaltet, erfolgte trotz aller päpstlicher Blockadegebote einerseits und sultanesker Ausfuhrverbote*58 andererseits dank der guten Beziehungen zum ‘Alten vom Berge’*59 weitgehend störungsfrei und für beide Seiten zur größten Zufriedenheit von Beirut über Venedig, Bozen, und Augsburg oder Würzburg zuerst nach Karben  - Gernhardts Carben oder auch Caruen -  in der Wetterau*60.
    Mit diesem Ort Karben eröffnet sich nun über den biblisch-lateinisch-christlichen ‘Mons Sion / Münzenberg’ hinaus das erste rein islamisch-nahöstliche Transferferment in Gernhardts Wetterau-Beschreibung. Durch ihn auch sind wir darüber unterrichtet, dass ‘der Karben’ zuvor dem Deutschordenshaus von Gelnhausen gehörte, aber Pleite ging, und nach dem Verkauf an die Karamelliten diesen in erster Linie als Halle für das zwischenzulagernde Roh-Karamell, als Wohnhaus für die Bediensteten und als Stall für die kleinen, aber drahtigen Transportschweine diente, die sogenannten Sweinken aus dem Deutschordensland*61, welche die Karamelliten nach ihrer letztgültigen Vertreibung aus Akkon 1291 von den Ordensrittern in Karben gleich mitübernahmen und somit vor Schlachtung und Verzehr retteten.
    Gernhardt erwähnte (den) Karben insgesamt fünfmal, davon dreimal auffallend zurückhaltend: “Ich habe in Karben die Messe gelesen.”*62 An anderer Stelle: “Ich habe in Karben, nachdem ich die Messe gelesen hatte, das erste Mal Spinat gekostet und diesen wie die ungläubigen Sarazenen zu verachten gelernt.”*63 Aber einmal blieb er nach dem Gottesdienst interessanterweise auch über Nacht: “Ich blieb die ganze Nacht von der neunten Stunde bis zur dritten Stunde des folgenden Tages im / in Karben.”*64 Denselben Satz findet man mit anderen Ortsnamen in unzähligen Annalen, Chroniken und Pilgerberichten, weshalb es gerade in den sozialgeschichtlich ausgelegten Jahren 1960-80 zu einer Anhäufung von Arbeiten über diesen Topos und seine (angeblich?) intendierte Verschleierung eines dem Geistlichen untersagten Beischlafs mit einer älteren Frau gab. Nun ist tatsächlich insbesondere um Karben und Hainchen noch heute ein diese Deutung stützender Satz volkssprachlich in Übung. “Mer kann aach in e aal Kersch e schee(i) Mess lese”, lässt sich immer wieder an männerbündisch nach festen Ritualen verratzten Stammtischen in den Gasthöfen vor Ort vernehmen*65, und Soziologen beschreiben das ausnahmslos danach folgende Gelächter mit einem Vergleich aus der Biologie sowohl in Karben, als auch in Hainchen als “wiehernd”, was auf eine parallele, wenngleich von der islamischen Kultur abgelöste*66 Traditionsbildung schließen lässt*67. Andererseits förderten Sondierungsgrabungen 1978 im Bereich des namengebenden Carven Grundmauern eines rechteckigen Gebäudes von 4 x 7 Metern mit nach Osten ausgerichtetem Halbkreisannex, das zweifellos als schlichte Saalkirche mit Apsis zu deuten ist*68. Insofern spricht nichts dagegen, dass Gernhardt bei seinen  - wie es den Anschein hat: regelmäßigen -  Aufenthalten in Karben eine oder auch mehrere Messen las.
    Ohne Gernhardt eigens ausforschen zu müssen, ist ‘Karben’ als Bezeichnung für einen Deutschordenswirtschaftshof hinreichend bekannt*69. Mit den Rittern und den mitgebrachten Orientalinnen war der ursprünglich rein persische Begriff kârwân für einen ummauerten, in der Regel zweigeschossigen (Vieh- resp. Frauen-)Hof und Raststation aus dem Heiligen Land ins Deutschordensland gekommen*70 und bezeichnete hier einen Viehhof für Pferde wie Schweine gleichermaßen. Ein solcher ‘Karwan’ bzw. ‘Karben’ ist jeweils für die Deutschordensniederlassungen in Danzig (z. B. zu 1416 mit  5 Sweinken), Elbing (zu 1440 mit 14 Sweinken), Thorn (zu 1446 mit 2 Sweinken) usw. durch amtliche Aufzeichnungen belegt*71. Für den Ort Karben in der Wetterau war er namengebend und, wie wir durch Gernhardt wissen, zu seiner Zeit in Gebrauch. Hier kamen die Rennschweine mit den Karamellplatten an, wurden versorgt und zwei Tage später wieder Richtung Süden geschickt*72; der Streckenabschnitt durch den Spessart ist bis heute mundartlich als ‘Säuwääch’ von mlat. suinivia (hdt. ‘Sauenweg’)*73 bekannt.

Als letztes Beispiel für eine gemäß islamischem Vorbild gestaltete Siedlungs- und Wirtschaftsgeographie  im Furchtbaren Halbmond der Wetterau  - unter anderen, die jedoch im Einzelnen noch der genauen Identifizierung und exakten Bestimmung im Wirkungsnetz der Karamelliten der Iokulantischen Observanz bedürfen -  sei der Ort Hainchen (südlich der Linie Altenstadt - Düdelsheim), der Geburtsort des Jubilars, vorgestellt. Gernhardt erwähnt ihn viermal; und zwar als domus Canicanea / Kainicana bzw. oppidulum Cainicanaum*74, was sich zweifellos auf ein allgemein nahöstliches, wiewohl ursprünglich persisches Khâni Khânhâ (hebr. Kanaan) zurückführen lässt, eine ursprünglich sassanidische Gründung während der Expansion 622 im Süden des heutigen Libanon und somit späterer Vorposten des Heiligen Landes der Kreuzfahrer unweit von Sidon (arab. Saida), den Gernhardt bei seinen Landeserkundungen mehrfach spürbar hochgestimmt anlief*75. In der ‘Descriptio Wettereibae’ benennt er ohne Interpretationsspielraum die Gründung Hainchens und die Benamung desselben nach seinem Vorschlag.
    Hierdurch sind alle abwegigen Mutmaßungen über Hainchen zu verwerfen, allen voran die postulierte Beziehung von Hainchen zum Kanton Hainan. Die Quellen geben es schlichtweg nicht her, dass, wie Dutreul de Rhins meinte*76, der dem phönizianischen (!) Handlungsreisenden Parco Molo während der Friedberger (!) Messe entlaufene chinesische Knecht aus dem Kanton Hainan “an einem abgelegenen Flecken” das erste Tattoostudio der Wetterau*77 eröffnet habe, das vor allem von den in der südlichen Wetterau “weniger behaarten Weibern zur Anbringung ihrer Stammeszeichen aufgesucht” worden sei, weshalb sich um das Studio herum eine Siedlung gebildet habe, das besagter inzwischen von Heimweh geplagte Knecht nach seiner Heimat Hainan benannt habe und das schließlich zu Hainchen geworden sei. Was Dutreul de Rhins hierfür an robusten Quellen angibt, ist absolut ridikül, um nicht zu sagen französisch, und soll hier nicht wiederholt werden. Zudem konnte Jack Dyer Ball unter seinen 1971-73 genommenen Linguistikproben keinen einzigen Nachweis für ein Substrat des San-wui-Dialekts, wie er in Hainan um 1300 gesprochen wurde, in und um Hainchen verifizieren*78.
    Selbstverständlich besteht auch zwischen dem für den thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis halbnamengebenden bewaldeten Höhenzug Hainich sowie das sächsische Städtchen Hainichen einerseits und dem wetterauischen Hainchen andererseits keinerlei Verbindung; vielmehr schlägt für den Hainich die Hainbuche zu Buche, verbucht bereits 1158 als fröhlich zu durchquerender ‘Hainbuchenhain’*79. Auch die anscheinend nicht aus der Welt zu schaffende Mutmaßung einer Beziehung von Hainchen, das auf jene Zeit als seine bedeutendste in der zähen Geschichte seines Bestehens (mit einem über den heutigen Ortsrand hinausreichenden Verhau*80) zurückschaut, zu dem sächsischen Hainichen (an der A 3 zwischen Chemnitz und Dresden) verbietet sich nachdrücklichst. Erstmals zu Papier gebracht hat sie der ebendort geborene Fabeldichter (!) Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769): ein leicht zu durchschauendes Produkt wilder, sächsisch eingefärbter und allenfalls peripher auf historische Tatsachen Bezug nehmender Phantasie*81. Richtig ist allenfalls, dass ab etwa 1292/93 der vormalige Beschneider Karimu’llah (auch: Karim Allah), gen. Hoppsela, den Gernhardt noch persönlich auf Zypern dem dortigen Hofzuckerbäckermeister*82 König Heinrichs II. abgeworben hatte, in Hainchen als Karamellverschneider tätig war. Er verstand sein Handwerk wie kein anderer und war deshalb sehr gefragt, zumal die Karamellimporte aus dem Orient ab 1301 drastisch zurückgingen, nachdem der mit falscher Identität eingeschleuste Mammaluckensultan Igor Stanislawsky unter dem Namen Haidar Abadulillah*83 einen Karamellabbaustopp verfügt hatte*84. Dabei handelte es sich mitnichten um eine antichristliche Aktion; eine solche anzunehmen, wie es leichtfertigerweise gelegentlich geschieht*85, verkennt völlig, dass die Christen im Land unter toleranter muslimischer Herrschaft eine geradezu beispiellose Freiheit der Steuerzahlungsausübung genossen und des weiteren ein Exportverbot nie etwas mit dem Islam zu tun hat*86. Es war vielmehr Fakt, dass Haidar Abadulillah den ‘Alten vom Berge’ meucheln ließ und sich dessen Villa am Berg Karamell unter den Nagel riss*87. Was er bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst hatte, war die unschöne Tatsache, dass der Meerblick durch den Karamellabbau unterhalb der Villa einfach total versaut war*88. Außerdem wurde Igor alias Haidar durch den nicht eben geräuschlosen Tagebau bei der nach strengen Regeln zu erfolgenden Häschenjagd im Vorgarten empfindlich gestört*89.
    Mit Karimu’llah (auch: Karim Allah), gen. Hoppsela, betrat, wie Gernhardt nicht ahnen konnte, eine epochale Figur mit düsterem Geheimnis die Gemeinschaftsräume von Regnum und, in seiner Verdichtung*90, Wettereiba. Er führt uns gewissermaßen zu Gernhardts oppidulum canicanaum, also Hainchen*91, und dessen glücklichstem wie tragischsten Moment zurück. Karim Ella, wie Gernhardt ihn schrieb, streckte das knapper gewordene, nächtens aus Karben ins Wetterauer Hinterland transportierte Karamell gemäß einer auf Ibn Sina (Avicenna) zurückgehenden Verdünnungsrezeptur mit aus heimischen Zuckerrüben gewonnener Melasse geradezu meisterlich*92. Für Melasse (von lat. mel, Honig) verwendete er natürlich den arabischen Begriff scharab und prägte somit in Hainchen ein Wort, das inzwischen als ‘Sirup’ 74 Prozent aller Deutschen  bekannt ist. Unter seiner Hand gedieh der Weiler zum Städtchen. Die Karamelliten der Jokulantischen Observanz gründeten binnen fünf Jahren 17 Jökelstationen und verbreiteten die Süßigkeiten Gottes vom Heiligen Berg Karamell, wie es keinem Orden zuvor gelungen war*93.
    Das Ende dieser einzigartigen Remonastizierung der Wetterau wie des Ortes Hainchen kam abrupt. Einiges spricht dafür, dass es nicht gelang, Karimu’llah voll zu integrieren, obwohl die Bauern und Hörigen von Hainchen ihm viel Liebe und Schweinswürste entgegenbrachten und ihn zärtlich ‘Hopsela’ nannten, so wie sie ihn ständig sagen hörten, wie sie meinten*94. In der Tat entfuhr dem Karimu’llah ständig dieses Wort, sei es dass ihm etwas Unerwartetes glückte, sei es dass ihm etwas Unerfreuliches widerfuhr. ‘Hopsela’ hallte es dann weithin durch die Wetterauer Flur, wie die Hainchener zu hören meinten. ‘Hopsela’ und immer wieder ‘Hopsela’*95. Doch sie wussten nicht, was sie da sagten. Auch Gernhardt, der den Kosenamen überliefert, dürfte sich der Bedeutung nicht bewusst gewesen sein. Dabei erwähnte er ihn, ohne ihn in der später abgefassten ‘Descriptio Wettereibae’ damit in Verbindung zu bringen, bereits in seiner ‘Descriptio Terrae sanctae’ als Losung der für den Sturm auf Akkon eingeteilten Sarazenen: Hoppsalla abstruso verbo Sarraceni expugnantes civitatem Acconensem se clam dicebant*96. Woher Gernhardt die Information hatte, lässt sich nicht zurückverfolgen. Aber nicht erkannt zu haben, dass die Losung der arabischen Wachen selbstredend nicht ‘Hopsela’ u. ä. lautete, sondern Hisbu’llah, d. h. ‘Partei Allahs’ (heute auch als Hisbollah bekannt)*97, ist gewiss nicht Gernhardt anzulasten*98.
    Das Ende von Karimu’llah und der Karamellisierung der Wetterau liegt im Dunkel der Vergangenheit. Es ist denkbar, dass er, getrennt von seinen 27 Kindern auf sämtlichen Mittelmeerinseln, unter Heimweh litt*99. Die Annahme eines Selbstmordattentats, zu welchem Zweck er eine hochprozentige Mischung aus Karamell, Lakritz (von arab. al-karitz) und Alkola (von arab. al-kohola)  - einem Süßgetränk auf Karamellbasis, das heute weltweit als ‘Cola’ erfreut*100 - durch Überhitzung zur Explosion gebracht habe und mit Teilen Hainchens in einem riesigen Feuerball verbrannt sei, ist forschungsethisch als höchst bedenklich einzustufen*101. Gewiss, Gernhardt schrieb darüber nicht mehr, mag also nicht mehr gelebt haben (bzw. durch die Katastrophe umgekommen sein), und in der 6. Fortsetzung der Kleinen Fuldaer Annalen ist tatsächlich Anno dom. MCCCI, die Proti et Jacincti, d. h. zum 11. September 1301, von einem lauten Knall im Raum Hainchen die Rede: magnus sonitus vulgo bumms fiebat in spacio cainicanio*102. Handlungsintentionen lassen sich daraus keine ableiten. Nur der Vorgarten an sich steht wohl außer Frage. Öffner und Kollegen ergruben einen durchgehärteten, sich schwarz im Wetterauer Löss abzeichnenden Karamellhorizont, der mittels Zungenprobe flugs als solcher bestimmt wurde, und, in diesen verbacken, einen Holzkochlöffel, der nach der dendrochronologischen Auswertung eindeutig im Jahr 1300 /1301 steckte*103.
    
Zuletzt hat Bernhard Müllerschneid in seinem forschungsaktiven Aufsatz ‘Größe und Chaos’ das im Verhältnis von Gernhardt von Monte Sion und Karimu’llah aufblitzende und niederstürzende Gesamt des migrativen Interhumanen an seinen Schmelzpunkten trefflich festgemacht und dabei betont, dass der Löffel im Detail stecke, ähnlich der Brisanz in der Frage und dem Hemd in der Hose. Es ging ihm dabei um nicht weniger als das ganze “kulturelle Fundament des Zusammenklebens” im verneinten Europa*104: ein kühner historischer Rückgriff, der voll ins Vorne greift, ohne zu übersehen, was hinten dabei herauskommt, und in die Zeit passt. So kann wie schon bei Gernhardt in derselben Spur ohne Kontinuitätsbruch Geschichte gestaltend gelingen und Gestaltung gelungen Geschichte verdichten. Die Vorlage bzw. Flanke hatte Paul F. Kehr (1860-1944) geliefert, der im Rückblick auf seine verdienstvolle Regestierung der Papsturkunden schrieb: “Ja, in mir hat der gelehrte Stumpfsinn geradezu phänomenale Höhen erklommen”*105. Müllerschneid musste nur noch mit dem Kopf vollenden*106. Und Hainchen war, wie er es auf den Punkt brachte, der Ort am richtigen Fleck zur rechten Zeit*107. Quod erat ioculandum. - Aetas media vivat! Crescat! Goliath!

Erratum:
In den zurückliegenden Beitrag haben sich bedauerlicherweise auf sehr hinterhältige Art einige korrekte Literaturzitate eingeschlichen, wofür der Verfasser sich entschuldigt. Finder sind gebeten, Laut zu geben, und erhalten zum Dank wahlweise eine Sitzplatz-Karte für ein Heimspiel von Eintracht Frankfurt in der Commerzbank-Arena oder eine Jahreskarte, ebenfalls Sitzplatz, für die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Sollten mehr als zwei Findungen eingehen, werden zwei Gewinnerfinder ausgelost. Zur Überwachung der korrekten Korkenziehung hält sich dankenswerter Weise Prof. Dr. Bernd Schneidmüller, Heidelberg, dem dieser Aufsatz von Herzen zugeeignet sei, im Hinterhalt bereit.

 

*Anmerkungen
*1 Ritta Uhlmann, Bedächtige Beschäftigung: Natur und raummaßgebliches Kunstschaffen der langen Weile am Beispiel der Altenstadter Meisenkolonie, in: Sehen & Erkennen. Bunte Reihe der Pfalzgalerie Kaiserslautern 15 (2009) S. 7-21.

*2 Erasmus Alberus, Kurze Beschreibung der Wetterau, Butzbach 1552, S. 2. - Wie hier in den frühen Drucken wird (korrekt:) Albernus noch in jüngerer Literatur wie z. B. von Hinz-Henning Flachmann, Alber und seine Lehrer Luther und Bodenstein in Wittenberg, in: Günther Oettinger / Nikolaus Schneider (Hrsgg.), Hilfe kommt von helfen. EKD-Orientierungshilfe zum Lutherjahr 2017 und zu den Feiern in Wittenberg (mit Fahrplan von Württemberg) = Intelligenzblatt des Deutschen Bundestags 42, Berlin 2008, S.  87-134, noch Alberus genannt, latinisiert für Alber. Wohl ist zu-treffend, dass sein Vater Tileman Alber, ein zum Protestantismus konvertierter katholischer Pfarrer aus Engelrod und Hörgenau im Vogelsberg, sich noch ohne -n schrieb. Doch die Verballhornung des Namens in seiner latinisierten Form von Alberus zu Albernuss durch seinen Feind Andreas Bodenstein, gen. Karlstadt, in Anlehnung an Luthers Schmähung des Aristoteles als Narristoteles setzte sich in den Reformatorenkreisen solchermaßen durch, dass schließlich der so Genannte seine letztwillige Vergnügung eigenhändig mit Erasmus Albernusz vulgo Albern  - in dieser Schreibweise -  manu propria et vino plenus unterfertigte (Stadtarchiv Halle / Saale, Urk. 3 Nr. 412, gemäß freundlicher Auskunft von Linda von Leesen; vgl. Mies van der Meuse, Het Heksjeboek / ‘Puffboek’ van Erfurt en Meester Eckeharts weg tot Komisch Bewustzijn, Hijnleegen 2002, S. 212). Ob Albernus wusste, dasss Bodenstein ihn durch die Umbenennung nicht nur, wie auf der Hand liegt, als albern oder gar als “alberne Nuss” (heute noch mundartlich im Umkreis von Hainchen: was e alwern Nuss) diskreditieren wollte, sondern eine recht gewitzte charakterliche Gleichsetzung mit dem aus reformatorischer Sicht verachtenswerten papakriegerischen Kardinal Albornoz vorgenommen hatte, wie Ulrich von Hutten in einem seiner Siphilisterbriefe andeutet (vgl. Walter Ulbricht et aiut., Eobanus Hessus und die Streitschriften der Erfurter Dünkelmänner-Humanisten, masch. Diss. h. c., Jena 1964, S. 89), ist nicht mehr zu eruieren.

*3 Vgl. Erasmus Alberus, Buch von der Ehe, o. O. 1536. In diesem satirischen Werk finden sich, bislang nur unzureichend ausgewertet (z. B. durch Ansgar Brinkmann, Frühe Reife und spätes Früchtchen. Bachelor Disputation, Fernuniversität Hagen, WS 2006/007, HR-Mitschnitt 2007/43, den mir dankenswerterweise Frau Prof. Dr. Fidelitas Schmieder-Brinkmann aus Privatarchiv zur Verfügung stellte) auch zahlreiche biographische Einsprengsel zu den frühhumanistischen Wetterau-Abenteuern des Verfassers.

*4 August von Kotzebue, Dram. sp. 1, 213, nach Grimm, Wörterbuch, Bd. 10, Sp. 896.

5 Bernhard Müllerschneid, Konsensuale Grenzerfahrung und kollektive Umkehrbeschleunigung. Wetterau 200 - 1500, München 2011.

*6 Helga Gesche, Limes-Alen auf Sandalen. Römische Berittene zu Fuß auf dem Heimweg, Gießen 1984, S. 314ff.

*7 In Ermangelung des dafür im Orient originär eingesetzten Nutztieres in der Wetterau und mit zeittypischer Postposition  (anwendungsvergleichbar der Nachstellung des Possessivpronomens in “Vater unser”) ist die Maßnahme auch unter dem Begriff “Camel ohne” bekannt, vgl. Bernhard Müllerschneid, Geplatzte Knoten und verschobene Blickachsen als Voraussetzungen für praktikable präreforma-torische Raumsystematisierungen am Beispiel der Wetterau, Köln-Kiel-Geismar 2007, S. 42.

*8 In der Schweiz ‘Caramel’ geschrieben, von hebr. Karem El = Weinberg (= süße Versuchung) Gottes, dt. zu Karamell, in den neuen Einheitsbibelübersetzungen unkorrekt verkürzt zu Karmel. - Arab. kirmil, von arab. karâma, Freigebigkeit, Gunsterweisung. Der gleichnamige Berg heißt arab. heute noch Ra’s al-Kirimilitîn, ‘Haupt der Karamelliten’.

*9 Modern sehe ich den Begriff nur noch in Gestalt des Substantivkompositums “Altherrenjökelei” von Thomas Mann in den Tagebüchern verwendet, z. B. im Eintrag zum 20. 4. 1955, siehe Thomas Mann, Tagebücher 1953-1955, hrsg. von Inge Jens, Frankfurt am Main 1955, S. 338.

*10 Chronica civitatis Acconensis auctore anonymo usque ad annum 1291 (MGH AMC 27), ed. Gustav Gräske, Hannover 1949, S. 27: Sarraceni quidam prophetam scilicet a tergo adorientes et eius legem libri alcorani ad finem malum pervertentes. Gelegentlich überlieferte Verschreibungen wie omnes statt quidem, wie pseudo-prophetam statt prophetam, wie adorantes statt adorientes oder wie peragentes statt pervertentes erweisen sich bei politisch korrekter Quellen-inter-pretation augenblicks als böswillige apologetische Verfälschungen. - Diesen allen islamo-phoben Tendenzen widerstreitenden Standpunkt, den die Karamelliten bereits ausgeprägt vertraten, sieht man aktuell (2006-2014 in vielen deutschen Städten) sehr hübsch aufbereitet in der vom Bundesamt für Verfassungsschutz auf die Reise geschickten Wanderausstellung ‘Die missbrauchte Religion  -  Islamisten in Deutsch-land’, die auf angenehmste Weise seriös für den Islam zu werben versteht.

*11 Von arab. haschâschûn, in den lat. Quellen meist als Heyssessini o. ä wiedergegeben. - Vgl. Bernard Lewis,  Die Assassinen. Zur Tradition des religiösen Mordes im von Islamisten missbrauchten Islam, München-Zürich 1993 (zuerst: London 1967), bes. S 15-21 (zur mittelalterlichen Vorstellung) u. S. 135-168.

*12 Präzise zusammengefasst nachlesbar bei Bruce Llewellyn, Assassines, London 1968 (deutsch: Die Haschischbrüder. Zur Tradition der religiösen Weihrauch- und Betäu-bungsmittelfreigabe, München-Zürich 1993).

*13 Vgl. die sachkundige historische Einleitung von Bastian Sauerbruch zu Herfried Münkler, Suum cuique sum. Jedem sein Schwein - Die Wettersau zwischen Tradition und EU-gerechter Normferkelei an der Jahrtausendschwelle, Friedberg (Hessen) 1999. - Immer noch ein Standardwerk: Saul Coben, Der Schweinebauer auf dem Hund. Mönchische Mentalität und bäuerliche Bestialität um 1300 (= Medieval Researches from Central Wetterau Sources, Bd. 8) Downton Abbey 1946.

*14 Hierzu grundfegend Ilsebill Schlauberger / Geert van Coeborch, Offene Ordnung in verfügtem Raum (2002), in: Der Heide-Herold (Lüneburger Vierteljahresschrift, Neue Folge), Heft 241 S. 13-15; Ilsebill Schlauberger, Raumverfügung und Öffnungsordnung, in: Wetterauer Bote, Jg. 2003, Heft 4, Friedberg 2003, S. 9; dies., Öffnungsraum und Ordnungsverfügung, in: Historica Historicarum 3 (2004) S. 28-32; dies., Ordnungs-öffnung im Verfügungsraum (gleichz. Habil. 1992), Augsburg 2005; dies., Geordneter Raum zur öffentlichen Vergnügung, in: Festschrift zur Hessischen Landesgartenschau in Oberursel, Oberursel 2006, S. 7f.: dies., 1010 Jahre: Raum - Verfügung - Ordnung. Gendervariablen und -mixe in den Reihen der Kreuzfahrer- Innen vor Jerusalem 1099, in: Was lange bäckt ist schlechter gut (FS für Renate Oetker), Frankfurt a. M. 2009, S. 37-51. - Mit engerem Wetteraubezug: Müllerschneid, Geplatzte Knoten (wie Anm. 7) S. 49-59.

*15 Jerry Lewis, Gender and kitchen work in progress even under the best of medieval circumcisions, Chattanooga 1999, S. 312.

*16 Hierzu vollkommen erschöpfend Björn Borg-Bolte, Das weiße Scheichskamel von Karl dem Großen bis Bismarck. Herkunft, Stallung, Verendung, Berlin 2006, hier S. 159ff. - Erstmals thematisch angerissen: Ders., Die Entwicklung des Einkopf-Reichsadlers aus dem einhöckrigen islamigen Scheichskamel, in: Ex Oriente Crux [Ausstellungskatalog], hrsg. von Maximilian Luhpe / Bernhard Müllerschneid, Magdeburg 2003, S. 156-169, hier S. 165 Anm. 47.

*17 Erhard Buhs / Heinrich Vollberg, Leben und Ableben. Die Herren von Hainchen-Münzenberg, Hanau 1987, S. 511.

*18 Das wenige Bekannte über Gernhardt (noch ohne Kenntnis seiner ‘Descriptio Wettereibae’) bei Erhard Buhs, Gernhardt von Monte Sion, in LexdMA 4 (1989) Sp. 1348, sowie Lothar Kreuzer, War Gernhardt von Monte Sion in Friedberg?, in: Wetterauer Geschichtsblätter 57 (2009) S. 143-150.

*19 Gunzelin Gernschreiber / Heidemarie Fehlhaber, Scholastica der Lenz ist da. Aquinatische Scholastik und rurale Pfiffigkeit. Hassophone Interlinearvulgarisierung der ‘Summa’ des Thomas von Aquin im Wetterauer Bauernfünferkalender von 1505, in: Wettereiba. Friedberger Historische Gymnasialschriften, Beiheft 179, Jg. 2011, S. 1-97. Gernschreiber / Fehlhaber führen nicht nur in die hassophon vulgarisierte ‘Summa’ des Thomas von Aquin ein, sondern stellen Überlegungen zur Verbringung der ‘Summa’ in den Raum nordöstlich von Frankfurt am Main an, die sie auch kurz, aber, wie sich nun zeigt, klug und schon richtungsweisend auf Gernhardt von Monte Zion als wohl ersten scholastisch geprägten Bildungsvermittler der Wetterauer Weite, ausgehend von seiner Unterkunft im Kloster Engelthal, und Präger des von Averroes über Thomas entwickelten und infolge der Gernhardt’schen Tätigkeit erstmals in diesen Breiten verfestigten Repetitionsaversionismus  - heutzutage noch zum Ausdruck gebracht etwa durch Dschändä, Dschändä, Faaraadschtändä oder, mit nahezu stimmlosem ‘r’: Dschihaad, Dschihaad had soo en Baa(r)d -  zu sprechen kommen lässt.

*20 Gernhardt von Monte Zion, Descriptio lunae dimidiae fertilis imprimis terrae sanctae, in: Peregrinatores medii aevi quinque, hg. von Joseph Carl Moritz Raulent, Leipzig 1873, S. 1-181, hier Prol. 5, S. 7: rectiones hussiae ventorum. - Von der ‘Descriptio’ existieren eine englische und italienische Übersetzung: Gernhardt of Mount Sion, A. D. 1290. Translated from the Original Latin by Andrew Bruewart, M. A., with Geographical Notes by Lieut.-Col. E. R. Otter, in: The Library of the Near East Pilgrims Text Society, vol. II, Moonfield 1886 (Nachdruck 1961) S. 3-138; Gernhardus de Monte Zion, Descriptio Lunae Dimidiae Fertilis imprimis Terrae Sanctae / Gernardo di Monte Zion, Descrizione della Mezzaluna Fertile in particolare della Terra Santa (1288), in: Fabiano de Sandali (Ed.), Itinera (saec. XII-XIII), 4 Bde., Campoluna 1977-1983, hier Bd. 4: Tempore regni latini extremo (1245–1291). Textus latini cum versione italica (Studium biblicum iocundum, Collectio minor 12, 1972).

*21 Hugo von Trimberg, Der Penner, ed. Freimut von Fugger, Würzburg 1966, S. 17-20.

*22 Aber gut wie eh und je und womöglich weiterführend Heinz Quirin. Einfühlung ins Mittelalter, Braunschweig 1964, hier S. 47-50 (Kapitel II, 6, g: Die Analyse nicht existenter Quellen) und S. 52ff. (Kapitel II, 6, k: Quellenlos zwischen Idee und Herrenklos).

*23 Liège, Archives de l’Etat, Stavelo Nr. 344. Ich danke an dieser Stelle Herrn Prof. Furtweiner, Heidelberg, für die freundliche Information.

*24 Duro G. Nitale, Terzo ordine iocolare nei distretti tedeschi medievali, Bolzano 1899, S. 211 (Anhang). Das Versäumnis ist umso bemerkenswerter, da die Edition von Gernhardts ‘Descriptio Terrae sanctae’ durch Raulent (wie Anm. 20) bereits seit 1876 vorlag und im Vorwort die einwandfreie Sichtverbindung vom Berg Karamell zum Berg Zion hinreichend ausgenordet wurde. Wie anders auch hätte Gernhardt (Descr. I, 21; ed. Raulent [wie Anm. 20] S. 12) sonst formulieren können: Sedente super monte Sion et feliciter ioculante vidi monasterium montis Caramelli oculis meis.

*25 Sieglinde Dittmar von Plattnersgass, die derzeitige Äbtissin (ab 2006), dazu mir mündlich am 20. 10. 2013: “Uuuups! Soll ich mir jetzt [selber?] gratulieren?!”

*26  Van der Meuse, Het Heksjeboek (wie Anm. 2) S. 47.

*27 Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Handschriftenabteilung, Inc.fol. 2311.

*28 Siehe Anm. 20.

*29 Brüssel, Koninklijke Bibliotheek (Bibl. Royale), Ms. 4404-4405, fol. 153v-164r, die wohl in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, in dem das Kloster zerstört wurde und die Nonnen nach Aschaffenburg fliehen mussten, abhanden kam. - London, British Museum, Ms. Add. 26773, fol. 97rb-111va, mit der Überschrift Gernhardti Liber iius und dem alten Besitzvermerk: Liber sancti Bonifacii monasterii fuldensis. Bei der Brüsseler Handschrift könnte es sich um Gernhardts Autograph handeln.

*30 Gernhardt, Descr. IV, 27, ed. Raulent (wie Anm. 20) S. 174: Accon [...] distat autem ab Nazareth per VII leucas, quod spacium melius estimare potui, quia illud sepius pertransiui; sicut de Frideberg in Ffrankonofurt esse michi videtur, quod describendum erit in meo libro secundo scilicet de Wettereyba.

*31 Raulent lebte seit dem Hamburger Stadtbrand von 1842 im mittelfränkischen Neuendettelsau und wirkte dort an der Seite von Wilhelm Löhe, dem Begründer der evangelischen ‘Gesellschaft für innere und äußere Mission’ sowie der ‘Bildungsanstalt des weiblichen Geschlechts zum Dienste der Unvernünftigen und Heiteren’, der hier erwähnt sei, weil er Raulents von Natur aus langsames editorisches Wirken entscheidend beschleunigte. Raulent schrieb unter dem Datum des 23. August 1859 an seine Schwester: “Mein miserabliger Gesundheitsstand hat es mir noch nicht verstattet, Herrn Dr. Böhmer in der Senckenbergische[n] Bibliotheke meine Aufwar- tung zu machen und den glänzenden Inkunabel einzusehen. Ich hatte in Sachsen-hausen, das jenseits des Maines liegt, eine Gastwirtschaft aufgesucht und auf Drängen der eingesessenen Tischgenossen einem absonderlichen Getränk mit dem cüriösen Namen Ebbelwoi zusprechen müssen. Beim Erwachen in allerheutiger Früh war mir spei-übel. Zur gedachten Linderung legte ich einen Gang entlang des Flusses ein, in den ich mich angesichts der Kirche sankti Leonhardi aufs elendigste, gleichwohl erleichterndste erbrach, zu meinem Unwohlsein übel belechelt von Hern Schopenhauer, diesem gottlosen Lesterer, der mit seinem Pudelvieh vorüberkam und den man hier für eine große Berühmtheit ansieht” (nach: “Kam ich von Spiekeroog ann Karpfenteich”. Briefwechsel des Johann Carl Moritz Raulent mit seiner Schwester Johanna Carla Maurizia Raulent 1843-1878, hrsg. von Fürchtegott Früchtebrot, Neuendettelsau 1978, S. 162f.).

*32 Van der Meuse, Het Heksjeboek (wie Anm. 2) S. 47.

*33 Aufgrund dieser Bewerbungsleistung aufgestiegen zur Chief Administratrix and Dohyena of the Gender Center of Kassel University, Dep. Femenkind Frustiliberation, Sec. Middle Eval.

*34 Ingrid von Gausburg, Mann und Unmann im Mittelalter. Die Nonnenträume in den Aufzeichnungen des Beichtigers Johann von Büdingen (+ 1314), in: FEM 5 (2003) S. 177-265, hier S.  222ff.

*35 gentiliciter prohibere, = nach Heidenert verunmöglichen, nicht dulden = vergewaltigen; vgl. Ingrid von Gausburg, Frauenträume - Eva und die Beichtiger, in: FEM 6 (2004) S. 223.

*36 Bezüglich des Ortsnamens verweist von Gausburg, Mann und Unmann (wie Anm. 34) S. 223, auf: Lustreise ins Morgenland, unternommen und geschildert von Dr. Titus Tobler, Erster Theil, Zürich 1839, S. 337; Titus Toblers dritte Wanderung nach Palästina im Jahre 1857. Ritt durch Philistäa, Fussreisen im Gebirge Judäas und Nachlese in Jerusalem, Gotha 1859, S. 121: Tell Iben Menna.

*37 Insbesondere von Beda Pehnstedt und Piet Bloedzinn auf der 2003er Tagung des TAVO, was in ihren (demnächst im Tagungsband erscheinenden) Aufsätzen auch schriftlich seinen Niederschlag finden wird; Beda Pehnstedt,  Die Wurzel *mnh im ‘Alibî’ des Ibn Hâsî al-Schamûsî von Mennah; Piet Bloedsijn, A Tribe of Cunnilogical Negro Arabs nearby Mennah, in: Same-Sex Possibilities. Themen und Tendenzen in der Mittelalterforschung, hrsg. von Helmut Puff / Hedwig Röcklein / Rosa Höschen, Göttingen 2011, S. 173-185.

*38 Meinhart M. Etzner, Substantivische Geschehensbezeichnung in ständischer Gesellschaft, in: Horst-Hubert Hohl (Hrsg.), Wetterauisches Deutsch, Frankfurt am Main 2004, S. 77-136, hier S. 100f.; Horst-Hubert Hohl, Hochsprache in flacheren deutschen Mittelgebirgen, in Meinhart M. Etzner, Vom Münzenberg zur Münzenburg, Usingen 2004, S. 212-221, hier S. 218; Rainer Schützeichel, Mundart und Schriftgrad, in: Heinz Hotzenköcherle (Hrsg.), Der Singular des Substantivs und seine Norm- vorgabe zur Pluralbildung, Scherzingen 2005, S. 18-33. - Nach wie vor bedeutsam: Klaus Baumgärtner, Die Struktur des Bedeutungsfeldes, Bonn 1939, S. 63ff.; Olaf Winterspelt, Die Umlautfrage im Spätchattischen, Marburg a. d. L. 1940, S. 54.

*39 Ingrid von Gausburg, Gernhard der Mönch als Traumgestalt, in: Limericks Monthly Medieval Online Papers 2003-07, S. 55-61; dies., Traum und traumatischer Nonnenreflex, in: Limericks Monthly Medieval Online Papers 2003-10, S. 19-25. - Als Chief Administratrix and Dohyena of the Gender Center of Kassel University, Dep. Femenkind Frustiliberation, Sec. Middle Evil, ist von Gausburg qua Amt kooptierte Mitherausgeberin der irischen Internet-Zeitschrift und hält diese durch hohen persönlichen Einssatz energisch in Schwung. - Für die erste Lesung machte sie eine unzureichende handschriftliche Abzeichnung des von ihr bis dahin persönlich nicht in Augenschein genommenen Titels durch ihren Assistenten Sören Schrader verantwortlich.

*40 Hier gerät von Gausburgs Argumentation in eine heillose Schieflage. Sie lässt sich nur so erklären, dass sie im derzeit beliebten Copy-and-paste-Verfahren aus ihrem eigenen davor zur Sache veröffentlichten Aufsatz das gentiliciter  - das sie doch in der neuen Version getilgt und durch das deutsche gelich = gleich ersetzt hatte ! - versehentlich mitschleppte und dadurch absolut fehlgehend weiterhin damit operierte.

*41 Zur Problematik vgl. Annelies Fussel / Marielouise Borstig, Gendering the Crusades – Frauen und die Kreuzzüge (Reihe Offen im Denken), Duisburg-Essen (unter Druck). - Total geil: Jürgen Sarnowsky, Gender-Aspekte in der Geschichte der geistlichen Ritterorden, in: Lebendige Sozialgeschichte. Gedenkschrift für Charles Bukowsky, hrsg. von Heiner Hering und Jack Nicholson, Wiesbaden 2003, S. 168-88.

*42 Mit diesen Worten hatte Felix Magath  - bestenfalls mit einem Seitenblick auf Gernhardt von Monte Sion - und allenfalls nebenhin in die (seit der von den Nationalsozialisten angestrengten Raumsuche im östlichen Mittelfeld) erstmals wieder in Deutschland freimütig gewagte Raumtiefen-Diskussion etwas einfließen lassen (vgl. Felix Magath, Tiefenwirkung bei Höhentrainingslagern in Benediktinerklöstern im Alpenraum, in: Louis Mathieu / Simone Berlusconi (Hrsgg.), Die Alpen ! / Les Alpes ! Zur europäischen Wahrnehmungsgeschichte seit der Renaissance (Studies on Alpine Mystory, Bd. 2), Ettal 2005, S. 682-709, hier S. 701. Er erntete einen Sturm der Entrüstung, der sich ganz entschieden gegen seine “männlich-penile Wahrheitsfixation” richtete, vgl. Irmgard Klepto, Fictio facta feminina, in: PlagiatorInnen unter sich (= Veröffentlichungen der Ombudsstelle der Deutschen Forschungsgesellschaft zur Verhinderung der Aufdeckung von Plagiaten, Bd. 11), hrsg. von Wolfgang Löblich-Zudecker, Köln 2012, S. 77-139; Ingrid von Gausburg, Irrsinn Wahrheit. Selbstgedachtes zu Hrabanus Maurus’ Veritas blasphemica in Hieru-solymae prospectu, in: Frankendux und Genderjux (FS Franz Irrsinner zum 70. Geburtstag), Krumau 2011, S. 18-21. - Yvonne Al-Taqia-Schwertfeger, Gebotene Straffreiheit für geistigen Diebstahl. Über die infolge G 8 reifeverzögerungsbedingte Zunahme von Kleptomanie zur Selbstverwirklichung von Geisteswissenschaft-lerInnen unter maskulinem Karrierediktat, in: Popanz Redlichkeit  (= Gender and Postcolonial Studies, vol. 6), hrsg. von Ilsebill Schlauberger im Auftrag der Evan- gelischen Ablassbewegung Tutzing, Kerbholzhausen 2013. - Ingrid von Gausburg, Wahrheit ist auch nicht alles, in: Fetisch Wahrheit, 3 Bde., hrsg. vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Rückbildung, Redaktion Dr. ehem. Annette Schavan, Bollonia 2013, Bd. 1, S. 383-518, Bd. 2, S. 524-645. - Anna Vollrad, Lüge oder Fälschung?, oder: Was Wahrheit weder will noch weiß, in: Stephan Furtweiner, Stufenreich im Wahrheitswandel. Ordnungsverstellungen und Politik in der Zeit Friedrich Barbarossas, Stuttgart 2012, S. 350-377, hier S. 374. - Dagegen grundsätzlich: Hans Murmann,  Monokausalität und Cunnilingualität im postmodernen Feminat, 28 Bde. (1979-2012), hier Bd. 12: Verminderte Atmung infolge Sprech-blockade, Dieburg 1995; Bd. 13: Geschlossene Vokalisierung bei gequälter Wahrheit, Dieburg 1996.

*43 So würde man etwa nach pro natürlich ein hoc erwarten; doch dieses würde die Demonstrativpronomina-Paarung mit dem dt. do (= da) zerstören, weshalb mir das zwar grammatikwidrige, aber dem Deutschen nachgebildete hîc (= hier) an dieser Stelle als allein sinngebende Abkürzungsauflösung erscheint.

*44 Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 153v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 97rb: Dilectissimo in cristo ihesu magistro fratrum ordinis caramellitorum in munzeberch olim monte zyon, frater gernhardtus de monte zyon.

*45 So fragt z. B. Bus, Gernhardt (wie Anm. 18) Sp.1348 so abwegig wie sinnfrei ins Blaue hinein.

*46 Siehe Anm. 30. - Vgl. hierzu Kreuzer, War Gernhardt (wie Anm. 18) S. 144.

*47 Vgl. Stephan Schröter, Zwischen Chrislam und Istentum. Kulturelles Scherzkeksen in den spätmittelalterlichen Pilgerberichten, Berlin 2009, S. 142f.

*48 Z. B. um 1340 Traxler von Sangerberg, Rex Titanicus, ed. Eckhard Henscheid, Grüneburg 1972, S. 18.

*49 Ludger Kerbholzeimer, Vom Leisetreter und Hintersichgucker wetterauischer Gemeinprägung, in: Mentalität im Mittelalter, hrsg. von Annalena Leiblein-Liesegang (Dicke Bretter der Forschung 19), Sigmaringen 1977, S. 47-62. - Vinzent Feindt, Lehnsrechtliche Entrechtung, Gemütsausbildung und Entladungshemmung in abtrittloser Dorfrandlage zwischen Echzell und Hainchen (= Wetterauer Soziale Studien 37), Petterweil 1968. - Die Tradition der "wahren Herkunft" wird bei den Söhnen der Wetterau bis heute unverfälscht in Ehren gehalten, so auch z. B. bei Bernd Schneidmüller, der ungeachtet der biographisch verhärteten Tatsache, dass er die letzten Jahre seiner Adoleszenz in Altenstadt verlebte, so unerbittlich wie berechtigt darauf beharrt, als einer "von Hainchen" (seinem Geburtsort unweit von Altenstadt) bezeichnet zu werden. Das ist sehr schön.

*50 Siehe Anm. 44.

*51 Da Hühner nebst den fortpflanzungstechnisch unentbehrlichen Hähnen wohl erst im 5. Jahrhundert v. Chr. von Indien ins Heilige Land eingeführt wurden, gibt es im Alten Testament keinen Hahnberg und infolgedessen auch keine Hahnberg-Erwähnung; vgl. Fritz Rienecker, Lexikon zur Bibel, Wuppertal 1960, Sp. 533.

*52 Hierzu grundsätzlich: Walther Eichler / Rainer Schützeichel, Ortsnamenwechsel (Deutsche Zeitschrift für Ortsnamenkunde, Beiheft 24), Heidelberg 1986, S. 126-147.

*53 Vgl. Johann H. Fritsch, Geschichte des vormaligen Reichsstifts und der Stadt Quedlinburg, 1. Theil, Quedlinburg 1828, S. 303f.: “Mons Sion, woraus dann das Kloster selbst den lächerlichen Monssyonberg macht.” - Gunzelin Fiesel, Gründungszeit deutscher Karamellitenorte mit dem Grundwort Mons- / Maunz- / Münz. Wandlungen der Siedlungsstrukturen unter nahöstlichem Einfluss ab dem 12. Jahrhun- dert, Leipzig 1912, S. 111ff. - Vaseljeva Georgiev, Wetterauska etimologija i ono- mastika, Sofija 1970, S. 73-76.

*54 Johann H. Steffens, Geschlechts-Geschichte des Hochadelichen Hauses von Campe auf Isenbüttel und Wettmarshagen etc., Zelle 1783, S. 129f. - Auf dieselbe Urkunde bezogen sich Gottfried C. Voigt, Geschichte des Stifts Quedlinburg, Bd. 1, Leipzig 1786, S. 424 (“Jordan von Gersdorf schenkte 1267 die Kirche seines Orts dem Marienkloster auf dem Münzenberge”) und Johann Heinrich Fritsch, Geschichte des vormaligen Reichsstiftes und der Stadt Quedlinburg, 1. Theil (Mit einem Grundrisse des alten Quedlinburg), Quedlinburg 1828, S. 379f., wo es zum Dorf Gersdorf heißt: “Dieses Dorf [...] kommt schon im 10ten, dann im 12ten Jahrhundert in den Urkunden vor und hat wohl [...] schon gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts seine Endschaft erreicht, wahrscheinlich in Folge der Zerstörung der Burg, womit auch der Untergang des kleinen Dorfrestes scheint verbunden gewesen zu seyn. Denn die Kirche zu Gersdorf, welche ganz gut dotiert war, wurde schon im J. 1267 von dem Herrn von Gersdorf mit allem Eigenthum dem Marienkloster auf dem Münzenberge geschenkt [...].”

*55 Nach lat. menta, mhd. minze, wie man wegen der schriftlichen Ersterwäh-nungen von 1174 als Monzenberc und 1190 als Mincenberc gern glauben macht (vgl. Ernst Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Ortsnamen, Nordhausen 1872; bearb. von H. Jellinghausen, 2 Bde., Bonn 1913-1918, Bd. 2, S. 299). Dagegen ist entschieden einzuwenden, dass ein Berg wie der Münzenberg nicht zu den für die wildwachsende wie auch die angebaute Minze günstigen Biotopen zählt. Die Minze verlangt feuchte, windgeschützte Böden, bevorzugt an Bachufern, in Wiesentälern und in Mooren. Insofern mag man allenfalls der Erklärung eines im Arnsburger Kopiar aus dem 14. Jahrhundert erwähnten menzendhale (in Eberstadt, Gemeinde Lich, 3,5 Kilometer von Münzenberg entfernt) als ‘Minzetal’, worauf Hans Ramge mich dankenswerterweise aufmerksam machte, wegen der anderen Bodenbeschaffenheit der feuchten Bachuferau zustimmen. Doch selbst diesbezüglich skeptisch: Heiner Heiners / Kusbert Kleinert, Minzekraut vergeht doch! Burgberg-Hangabtrocknung und Vollbeschafung als biotopische Herausforderung für die bedrohten volkseigenen Minzebestände in der feudalzeitlichen BRD ab 1300 u. Z., Rudolstadt 1969, S. 78. Vgl. Jasmin Behrouzi-Rühl, Hohe Minze und Hinterhöfische Kultur. Versuch einer gunstgewerblichen Kostennutzenrechnung, Echzell 1997, S. 49-53.

*56 Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 163v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 107rb : eunt per totum montem Zion usque ad possesiones nostri monasterii fratrum karamellitorum et ad horrea caramella ubi viginti fratres cotidie materiam discoquunt et effingunt.

*57 Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 164v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 107vb: In die beathi Martini Magister stationis vehiculorum de Ffranconofurt Montem Zyon personaliter preterire et materiam optimae qualitatis concupiscere solet et ab Gernhardto semper suscipit postulatam. Hier muss es sich um den bekannten gleichnamigen Mitbruder Gernhardts handeln. - Die enge Verbindung der Wetterauer bzw. Münzenberger Karamelliten zum ansonsten gut erforschten Karamellitenkloster in Frankfurt a. Main harrt noch ihrer Untersuchung; dass man in der Niederlassung am Main über den Karamellhandel, d. h. über den Besitz, die Aufbereitung und den Vertrieb des Stoffes bestens Bescheid wusste und sich ein Wissen über die Herkunft des Karamells, das damalige wirtschaftliche Rückgrat des Ordens, bis ins 16. Jahrhundert erhalten hat, belegen klar die 1517 im Kreuzgang der Frankfurter Niederlassung von Jörg Ratgeb angefertigten Fresken, vgl. Das Karamellitenkloster in Frankfurt am Main, hrsg. von Sylvia Bilz-Berckhoff, Frankfurt a. M. 2008. Auf dem Fresko ‘Verfolgung und Martyrium der Karamelliten im Heiligen Land durch die Ungläubigen’ ist im oberen rechten Teil der Karamellabbau dargestellt, siehe ebenda S. 43, Abb. 32.

*58 Halma Höpfert, Die Crux mit Europa und den Handelskonflikten, in: Halal Malik (Hrsg.), Import - Export, Frankfurt am Main 2010, S. 245-252. - Dies., The Gender of Authority: Ruling Eunuchs, wondering Popes and whining Sultans, Zürich 2006, S. 5-11.

*59 Gernhardt bezeichnete ihn respektvoll als “Herrn” (dominus) oder “Fürsten” (princeps), vgl. Descr. Terrae sanctae, ed. Raulent (wie Anm. 20) S. 179. Wie sehr Gernhardt aber andererseits auf seine Leser und die päpstliche Zensur Rücksicht nehmen musste, erweist sich an der Darstellung der Anhänger des ‘Alten vom Berg’; gewissermaßen unter papistischem Diktat schrieb Gernhardt (ed. Raulent [wie Anm. 20] S. 181), dass sie gesetzlos lebten, entgegen dem Verbot des “sarazenischen Glaubens” sogar Schweinefleisch äßen und es unterschiedslos mit jeder Frau, auch mit Mutter und Schwester, trieben.

*60 Woldemar Strohmer, Die Gründung der Süßstoff- und Baumwollindustrie in Mitteleuropa, Stuttgart 1977, S. 165f.

*61 Nicht zu verwechseln mit den Sweiken / Sweyken, die bei der Deutschordenspost eingesetzt wurden, wie getan z. B. von Paul Herde, Der brave Ritter Schwejk und seine Sweike. Ritter und Ross als hippologischer Topos höfischer Helm-und-Huf-Epik im deutschen Osten, in: Deutsche Postgeschichte. Essays und Bilder, hrsg. von Wolfgang Lotz, Berlin 1988, Seite 23-41. - Elena Pazderova, Sweiken, Sweinken und Schlawiner - ihre Bedeutung für die deutsche Ostkolonisation ab 1280, Troppau / Opava 1992.  -  Alleingelassen mit seiner auf Verwechslung beruhenden Ansicht, dass die Sweinken (auch hier Verwechslung mit Sweiken trotz korrekter Bezeichnung!) “araberblütig aufgenordet” worden seien, bleibt Björn Borg-Bolte, Der Pferdeaustausch zur Veredelung grauer Sweinken durch weiße Scheichspferde seit den Karolingern  -  Der Islam als Geburtshelfer der christlichen Rassepferdezucht (Münchener Freibiere zur Mediävistik und Renaissanceforschung 25) München 1976; nochmals unbeirrt ders., Der Islam als Geburtshelfer Europas, in: Aus Politik und Zeitgeschehen (APuZ), Heft 13-14, Jg. 2011, hrsg. von Asiye Öztürk, S. 41-47, hier S. 44.

*62 Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 157r, 157v, 159v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 100vb, 101rb, 101vb: Ad Carven missam celebraui.

*63 Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 161r / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 103va: Missa ad Carven celebrata ibi primum spinaciam vulgo Binatsch manducaui et eam ut infideles Saracenos aspernere didici. - Vgl. Borg-Bolte, Der Islam als Geburtshelfer (wie Anm. 61) S. 43: “So haben die arabischen Ausgriffe nach Osten dem Mittelmeerraum unter anderem [...] Auberginen und Haferflocken, wohl auch den Spinat und den Spaltpilz, eingebracht.” - Ders., Islamspinat und die Scheichs-entstehung Europas,  (Lichtblicke des Europäischen Parlaments 23), Brüssel / Bruxelles 2011, S. 46-57. - Ders., Kreuzzüge: Blood for fruit. Die gewaltsame Aneignung islamischer Aprikosen- und Spinatanbauflächen und die Entstehung Europas, Berlin 2013. - Mit anderer Gewichtung Bernhard Müllerschneid, Spinat-verträglichkeit im peripheren Europa, Heidelberg 2004, S. 280f., wo dem Spinat ein vor-islamischer Zugang in den Mittelmeerraum bereits während der Antike zugestanden wird.

*64 Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 160r / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 102va: Missa ad Caruen celebrata per totam noctem a nona diei hora usque ad 3am sequentis diei fui in carven.

*65 Z. B. in Altenstadt-Oberau in der Gaststätte ‘Alt-Oberau’ jeweils freitags beim Haxenabend. - Zur Situation in Karben vgl. Joachim Helers, Die Karbeninger, Stuttgart 2000, bes. S. 306.

*66 Die ab dem 11. Jahrhundert nördlich der Alpen kursierende Behauptung, dass Kamele wieherten, gehört zum Formelschatz der vom Tessin nach Norden ausstrah-lenden antiislamischen jüdischen Apologetik und ist deshalb für die ländliche Wetterau nicht anzunehmen, vgl. Mose Herzelbaum / Adolf Abendroth, Es mähert ä Kaamäl. Chassidisch-jiddische Spruchweisheiten, Berlin 1929. - Siehe indes auch Gernot Rotter, Die Stellung des Negers zum wiehernden Kamel, Diss. Bonn 1971. - Hartmut Ritter, Das Meer der Seele und das Wiehern der Dromedare, Leiden 1954.

*67 Werner Keller, Und Karl May hat doch recht: Vom edlen Schweigen der Muslime, Ravensburg 1962, S. 265. - Winfrid Siegloch, Open laughing in closed male society, Bochum 1972. - Fred Neuhoff, Greinen, Lachen, Weinen. Ritualisierte Emotionalität als soziologischer Gestaltungswert für Gruppenfindungen im Höheren Mittelalter, Münster 2005, S. 69. - Ders., Adelshippen und Mönchshuren im Traditionsverbund ritualisierter Amicitia, Darmstadt 1990. - Dagegen Johannes Krieg, Eine nach der anderen. Zur sogenannten Ritualverschiebung beim consexuellen Mehrpaarverhalten im Höchsten Mittelalter, in: Matthes Cappes (Hrsg.), Gehen - Stehen - Liegen. Weibliches Mobilitätsvermögen und männliches Liegeverlangen, Blies an der Ritz 1984, S. 14-38. - Veraltet: Edith Ennen, Wirte und Wirtinnen im Kölner Dirnenquartier an der Marsportze (S. 105ff. mit einem Exkurs über puffbedingte Pfennigfuchserei in der Wetterau: Eine für alle), in: Gustav Gründlich, Leibherrschaft, Köln 1964, S. 73-109. - Völlig veraltet: Julius von Ficker, Vom Reichskurtisanenstande, Bd. 2, Innsbruck 1928 (Nachdruck 1984), S. 289ff. (zu den Zuständen in der spätstaufer- zeitlichen Wetterau).

*68 Peter Öffner, Mit der Schaufel durch das Mittelalter. Erfahrungsberichte über die Wetterau-Kampagne 1988/99 (Nachlass im Staatsarchiv Marburg, OA VII, 138/87-03). - Für ein Bordell, selbst für einen Wald- und Wiesenpuff Wetterauer Eignung, ist die Apsis jedenfalls zu klein ausgefallen, vgl. Lothar Kreuzer, Wetterauer Bordellüren und Rinnsteinamseln. Geschlossene und offene mittelalterliche Mobilitätsgerechtigkeit im ländlichen Beugungsraum, in: Friedberger Geschlechterblätter 6 (2012) S. 31-51.

*69 Hartmut Boockmann, Karben, Klöße und Kanonen. Leben als Deutschordensritter im Spätmittelalter, München 1984, S. 61.

*70 Björn Borg-Bolte, Scheichskarwane und Karwenpferde: Islamische Wissenschaften und die Melioration Europas, in: Ex oriente Osram, [Ausstellungskatalog], hrsg. von Maximilian Luhpe / Bernhard Müllerschneid, Magdeburg 2002, S. 377-387, mit auffälliger Verwechslung von arab. karawân (= zool. für Regenpfeifer, lat. Chadrinus oedemus; vgl. Hans Wehr, Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache, Wiesbaden 1968, S. 733) mit pers.-arab. kârewân, kârwân, kârbân (= Karawane) bzw. schließlich kârewân sarâj (= Herberge; vgl. Heinrich F. J. Junker / Bozorg Alavi, Persisch-deutsches Wörterbuch, München 1968, S. 588), woraus wiederum verkürzt ostpreußisch ‘Karwan’ und wetterauisch Karben entstanden.

*71 Vgl. Renate Wenzel-Liesemer (Ed. u. Einf.), Das Große Ämterbuch des Deutschen Ordens, Wien 1927 (zuerst Außig a. d. Elbe 1921; unv. Nachdruck Schwäbisch Hall 1947), S. 92, 450, 519, 577 und 694. - Walther Ziesemer (Hrsg.), Das Ausgabebuch des Marienburger Hauskomturs für die Jahre 1310-1420, Königsberg i. Pr. 1911.

*72 Vgl. Gernhardt, Descr. Wettereibae, Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 160v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 102rb: Porcicurrentes caramellis ornati carben adveniunt et omnibus instructis duobus diebus post remittuntur contra meridiem.

*73 Heutzutage noch dank der Wegemarkierung ‘S’ problemlaus nachlaufbar, streckenweise auch noch als 'SS' sichtbar, nach der in den Jahren 1933-1945 mundartlich bevorzugten Wegbezeichnung als 'Säusteech' (= hdt. 'Sauen- bzw. Schweinesteg'). - Um die Frachtkapazität der Schweine vollumfänglich zu nutzen und sie nicht ohne Stückgut leergehen zu lassen, nahmen sie bei den Salinen von Orb (heute: Bad Orb) Salz auf und transportierten es nach Süden, teils bis Miltenberg, wo es mainabwäts verschifft wurde, teils bis nach Augsburg; vgl. Helmut Zweigel, Wege und Ziele im staufischen Franken, in: Jahrbuch für Fränkische Landesgeschichte 27 (1957) S. 7-54, hier S. 23f. - Vgl. Gernhardt, Descr. Wettereibae, Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 161r / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 103va: moltos caramellos ducunt in carben et reducunt in porciscurrentibus salem usque ad moenum scilicet Mildemberch oppidum.

*74 Vgl. Gernhardt, Descr. Wettereibae, Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 166v, 168r, 1693, 169v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 108rb, 110vb, 111ra, 111rb.

*75 Z. B. Gernhardt, Desr. Terrae Sanctae, ed. Raulent (wie Anm. 20) S. 84: Canecanam curtem gaudenter intravi ; S. 102: Villam canecanam volenter et hilariter et in gaudium effusus visitaui.

*76 Jean L. Dutreuil de Rhins, Munzenberg et regions limitrophes, Wissembourg 1926, 138-147.

*77 Sehr überzeugend: J. H. Stewart Lockhart, Art Craft in Fart Art towards Ancient Near Eastern Symbolism among Wetterau Field Marks, in: Harald Welzer (Hg.), The Future II is us (Sundale Conference for Non-important Studies, 2000) Bochum 2011.

*78 Jack Dyer Ball, Everybody’s San-wui-Chinese and fried Chicken in the European Middle Ages, Hongkong 1974, S. 97-103. - Über die denkbare (z. Zt. von dem DFG- Schwerpunktprogramm 1173 untersuchte) Beziehung von Hainchen zum heutigen Gräfenhainchen (52 Kilometer nördlich von Leipzig), das 1285 (!) erstmals als Han- chane, dann als Hayne belegt ist und 1374 als Hagen in einer Hofgerichtsurkunde auftaucht, sowie zu Haintchen (im 12. Jh. Haynchen), Ortsteil von Selters im östlichen Hintertaunus, ist momentan noch nicht sicher zu befinden.

*79 Otto von Freising, Gesta Frederici I (III, 30; Bischof Otto von Freising und Rahewin, Die Tanten Friedrichs oder richtiger Harmonica, AQzDGdM XVII, übers. von Adam Schmidt, hrsg.von  Franz-Jürgen Schmahle, Darmstadt 1974, S. 454/455): Iam nemus fagorum nemusorum letus exierat exercitus [...]. - “Schon hatte das Heer in fröhlicher Stimmung den Hainbuchenhain überschritten (....).”

*80 Öffner, Mit der Schaufel (wie Anm. 68), OA VII, 138/87-19.

*81 Christian Fürchtegott Gellert, Karim Ala und die vierzig Räuber im Wirtshaus von Hainich, Dresden 1761, z. B. S. 84: “Der Karim Ala sang einst mit vieler Kunst; / Sein Lied erwarb der ganzen Gegend Gunst, / Die Blätter in den Gipfeln schwiegen, / Und fühlten ein geheim Vergnügen. / Der Vögel Chor vergaß der Ruh, / Und schiss den Karim Ala zu.” [usw.] - Gellert war durch persönliche Gespräche mit Murad Hofmann Pascha, dem Konsul der Hohlen Pforte am Hof zu Dresden, auf Karimu’llah gebracht und zu natürlich erfundenen abenteuerlichen Reiseromanen animiert worden, worin Karimu’llah bzw. in Gellerts Umgestaltung Karim Ala den beleibten muselmänni- schen Begleiter und Frauenzuführer des Protagonisten Kara ben Nemsi, eines deutschen Volksschullehrers aus dem sächsichen (Hohenstein-) Ernstthal, abgab, z. B. in: Durch die Kiste, S. 17 passim; Durchs wilde Huristan, S. 11 passim; Von Rastatt nach Obersuhl, S. 15 passim; In den Fluchten des Mastdarms, S. 9 passim; Durch das Band der Nippeldamen, S. 22 passim; Die Futt, S. 3 passim, Jubiläumsausgabe (100. Auflage) Bamberg 1969. - Zur Funktion der Figuren vgl. Arno Schmidt, Mare Amoricum oder Alt-Schmetterhands knatternde Büchse im feuchten Talschluss-Wäldchen, Frankfurt am Main 1962.

*82 Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 155v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 99rb: Magister Dulciariorum curiae.

*83 Seine Bedeutung für Europa hübsch ausgeklügelt von Björn Borg-Bolte, Christen - Juden - Duselmänner. Der lange Aufstieg des Abendlandes von 300 bis 1400 n. Chr. (Siedler’s Unendliche Geschichte Europas 3), München 2006, S. 365. - Bedauerlicherweise wurde die Reihe nach Erscheinen des Bandes trotz der korrekten Angabe “n. Chr.” (!) und des durchaus erheiternden Inhalts eingestellt.

*84 Vgl. Hans Dampf, Kalifen, Kairo, Karamell, München 2007, S. 387-390. - Annemarie Brauner-Schimmel, Die Leichen Gottes. Die religiöse Welt des Islam, München 2002, S. 292-298.

*85 Z. B. Paul Herde, Perle Habor, die Rose des Libanon, ein christliches Mammalucken-Leberkäs-Opfer, Alzenau 1987.

*86 Es konnte bislang weder im Koran, noch in den Hadithen ein Hinweis auf Karamell(exportverbot) gefunden werden; ich danke diesbezüglich Hermes Möhring SJ von der Phil.-theol. Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main, für die sachkundige Anwandlung. - Vgl. ferner Björn Borg-Bolte, Christliche Ordensgerichts- und muslimische Scheichsgerechtigkeit, in: Ex Oriente Osram [Ausstellungskatalog], hrsg. von Maximilian Luhpe / Bernhard Müllerschneid, Magdeburg 2002, 388-399.

*87 Martin Kingitzer, Wahnwitz wird Fakt, Ostfildern 2004, S. 127.

*88 Nach: Lustreise ins Morgenland (wie Anm. 36) S. 359.

*89 Ein Reflex findet sich wohl noch in der Endphase der Troubadourdichtung, vgl. Fred Neuhoff: Wie fängt man ein Kaninchen ein? Ritualhafte und nichtritualhafte Qadib-Einführungsverse im arabisch-fränkischen Troubadourismus, in: Fred Neu- hoff / Gundula Anstoß (Hrsgg.), Jagdzeit und Beinfreiheit im Mittelalter. Vom ritterlichen Turnierblasen zum höfischen Flöten, Münster 1986, S. 222-244. - Dagegen: Johannes Krieg, Kannosa und die Rübe im Schnee. Entlarvung einer angeblich orientalischen Eselei. Eine Streitschrift, Berlin 2012. - Angelika Heuwirth, Die libanesisch-palästinensischen Hasen. Ein zoologischer Vorbericht, in: Zeitschrift für arabische Linguistik 10 (1992) S. 75f. - Ferdi Fesl, Mit dicken Backen um die Welt: Vom Troubadourismus zum Tuba-Tourismus, hrsg. vom Oberammergauer Alphornblasverein, Oberammergau 2000, bes. S. 175.

*90 Irmgard Cornelius-Acht, Brummgard von Mont Fockzion: Offene Dichtung in verdichteter Fassung, in: Geschichtsverstellung und Historikertäuschung. Bilder, Texte und Plagiate (FS Hans-Werner Goetz), hrsg. von Sigurd Petz / Anita Ratz-Motz / Vollmar Sziotz, Wien - Köln - Weimar 2012, S. 575-596; dies., Ordentliche Verfugung im Durchzugsraum, in: dies., Firenzchen und Spirenzchen im Ludus ludi Broccoli (= Epoca periodica 42, Lido di Jesolo 2011), S. 13-19.

*91 Etymologie nicht erkannt von Heinz-Günther Schnitz, Was die Wetterauer Ortsnamen über ihre Herkunft verraten, in: Friedberger Geschlechterblätter 4 (2010), S. 53-75, hier S. 74f. - Zur Ortsnennung wie zum Vorgang selbst vgl. Gernhardt, Descr. Wettereibae, Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 156r / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 100va: Magister Dulciariorum curiae.

*92 Gernhardt, Descr. Wettereibae, Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 157v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 101rb: Karim Ella minutum caramellum a carben nocturno tempore in entroterram portatum secundum preceptum Avicenae cum ex sachari rapa extracto melasse quod scharaua nominat opere magistrali  extendit.

*93 Albrecht Graf von Knallei, Karamalz und Gerstensaft. Dentro- und gastrologische Probleme in Korrelation zu den Mönchszunahmen in der Wetterau, Hanau 1999. - Kurt Graf Henker von Himmelstadt, Im Mönchsgewand am Niddastrand. Die Wetterauer Karamelliten, Friedberg (Hessen) 1958.

*94 Gernhardt, Descr. Wettereibae, Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 159r / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 102vb: Cainacanenses Karim Ellam semper hoppsellam appellant. - Vgl. Schröter, Zwischen Chrislam und Istentum (wie Anm. 47)  S. 173.

*95 Die Hopsela-Frage, die man mitunter gestellt, aber nicht beantwortet sieht, ist streng zu scheiden von den Bobzala-Studien von Pieter Bloedsteet / Cees van den Socken / Piet van Verbleuden (Evangeleike Universiteit Hijnleegen), kuz vor deren Tod nicht mehr hrsg. von Beda Pehnstedt, Universtät Heidelberg, Seminar für Semidiotik, Heidelberg o. J.

*96 Gernhardt, Descr. Terrae sanctae III, 6, ed. Raulent (wie Anm. 20) S. 166.

*97 Vgl. Gernot Rotter / Schirin Fathi, Hizbolla, in: Nahostlexikon, Heidelberg 2001, S. 132-135.

*98 Zu Verstehbarkeitsgrenzen an fränkisch-arabischer Sprachbarriere siehe Annepeter Strohdrescher, Mispelkraut und Lispellaut, in: Pieter Bloedsteet / M. G. Carter (Hrsgg.), Language and Straw in the Alibi of ibn Fâris under the rule of Bobzala, S. 58-59. - Dies., Runen-Raunen und Rachenlaute, in: ebenda, S. 77-79. - Elke Habicht, Hopsassa und Hopsela. Physiologisch bedingter Lautwechsel an der Peripherie Ostmittelhessens (13. - 15. Jh.), in: Hessische Sprachgeschichte 2, hrsg. von Christian und Simone Mehr, Flörsheim / Friedberg 2008, S. 304-325. - Zur aktuellen Beobachtung des Phänomens siehe Christin Löchel, Laute und Leise. Sprechaktalmanach Hessen 2012, Frankfurt am Main 2013, S. 777. - Thomas Wick (OLt d. R.), Losungen. Soldatisches Flüstern in beschissener Lage, Groß-Umstadt 2002, S. 59f.

*99 Gernhardt, Descr. Wettereibae, Hs. Brüssel (wie Anm. 29) fol. 151v / Hs. London (wie Anm. 29) fol. 95rb: Karim ella [...] in insulis maris mediterraneae omnibus xxvi liberos desiderans [...].

*100 Der Begriff wird oft fälschlich als Beleg für die arabische Erfindung des Alkohols zitiert; vgl. Stephan Furtweiner, Dynasten am Krug. Karl der Große, Otto der Große, Heinrich IV., Friedrich Barbarossa und Ludwig der Heilige und die ihnen eingeschenkten anti-islamischen Argumente in Nikolaus von Kues’ Schrift ‘De veritate in vino dialogus regales contra librum Alkorani auctore Mahumeto pseudopropheta’ (Hs. Universitätsbibliothek Innsbruck, Best. IX: Hss. Kloster Schnalz, Cod. 37, fol. 28ra-33va), Mainz 1994, S. 412f. - Annepeter Strohdrescher, Islamic Cross culture and german Mosthalter. Mekkanische Ambiguitätstoleranz und der horror doliarii vacui des Würzburger Bischofs Ignaz Mosthalter (1414-1486), in: Die Festung (= FS für Sylvain Gouguenheim zum 50. Geburtstag), hrsg. von Gag-Niklas Hasse, Würzburg 2010, S. 164-189. - Völlig unerheblich, wenngleich oft zitiert: Irmgard Cornelius-Acht, Die Handaufhebung des Rechtsprofessors Barthelmess Zwiebel auf dem Konzil von Florenz 1439 und die Türkengefahr (überarbeitete und um eine Anm. deutlich erweiterte Version eines Vortrags, der von mir auf Italienisch anlässlich der Tagung ‘Bartolomeo Cipolla, giurista bavaro-bolognese tra cazzi, conti e confessioni’ in Verona 2004 gehalten wurde; vgl. I. Cornelius-Acht: La chiacchiera di Bartolomeo Cipolla, Bavaria e il potere ducale  - Politica e diritto nel contesto del Concilio di Firenze nel 1439, in: Giovanni Bossi (Hrsg.), Bartolomeo Cipolla: un giurista bavaro-bolognese del Quattrocento tra cazzi, conti e luoghi di potenza. Atti della traspira- zione internazionale di studi Verona 2004, Parma 2009, S. 260-299), in: Helen Schwind-Schwund / Pirmin Kugel-Rund (Hrsg/in): Aus Reichstagsakten neu abge- schrieben, Kassel 2009, S. 132-171.

*101 Vgl. Björn Borg-Bolte, Zur christlich-apologetischen Islamigo-Affaire, in: Bavarian Green 7 (2008) S. 74-91.

*102 Continuatio vi.a annalium Fuldensium minorum, ed. Tim Woelke, Regensburg 1891, S. 78. - Vgl. dazu Caspar Helers, Powerpoints in the Medieval German Reich and their Blow Off, Würzburg 2012, S. 441.

*103 Öffner, Mit der Schaufel (wie Anm. 68) 138/87-48.

*104 Bernhard Müllerschneid, Größe und Chaos, in: Björn Borg-Bolte / Bernhard Müllerschneid, Mittelalter im Keller. Die Mediävistik ertastet Tresen für eine transengerechte Eurowirtschaft, Berlin 2008, S. 7-33, hier S. 33. - Positiver forsch nach vorne: Grindi Bärmtgauner, Die Mediävistik auf neuen Wegen: Besser gut ab- als selber falsch geschrieben, in: Integrieren  -   nicht diskriminieren! Religion im universitären Diskurs, hrsg. von Mischa Brummlick und Matthias Butz-Lachmann (Institut für Allgemeine Bädergokick, Universität Frankfurt am Main, Außenstelle Bieberer Berg), Offenbach 2010, S. 54-78.

*105 Zitiert nach: Tom Graber, Zur Edition der Urkunden des Zisterzienserklosters Altzelle, in: Martina Schartkowsky / André Thieme (Hrsgg.), Altzelle. Zisterzienserabtei in Mitteldeutschland und Hauskloster der Wettiner, Leipzig 2002, S. 183-192, hier S. 183.

*106 Felix Magath (ZDF Sportstudio vom 4. 4. 2009): “Saubee oingeniggd. Subbee gemacht!” Er führte die Leistung auf mehrere individuelle persönliche Vier-Augen-Zweier-Gespräche zurück.

*107 Nach Carla Meyer, “Hell strahlt ein Stern” - Das Mijökel von Hainchen in Kuni- gundes Vision. Frauenfrömmigkeit und Herrenherrlichkeit in papierner Gestalt (StB Bamberg, Hist. 47, fol. 137ra-141vb), in: 'Carte sudate'. Alte Lumpen, junge Griffel und die Angst des Bütten. Mittelalterliche Reflexzonen auf geduldiger Unterlage (Vorträge der Tagung 'Carte sudate' in Fabriano, Italien 2001), hrsg. von Claus van Eickels / Horst Enzensberger, Bamberg / Chieti 2002, S. 267-282, hier S. 277. - Vgl. Elisabeth Christmayr, Das Hainchen von Bamberg, Stegaurach 2004.